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Willkommen im Übermorgen!

Innovationen überschwemmen uns in immer schnellerer Abfolge. So schnell, dass man als Unternehmer und Manager den Bezug dazu verlieren kann. Welche Veränderung findet statt? Welche wird das eigene Geschäft betreffen? Auf dieser Seite, unserem #Future Blog,  informieren wir kurz über die neuesten Entwicklungen und versuchen zudem, in unregelmäßiger Folge die Auswirkungen dieser Neuheiten einzuordnen.

25. Oktober 2018

Die aktuelle Kolumne auf Springer.com:

Auf dem Rechtsweg ins Verderben? Oder doch auf die Zukunft vorbereiten?

Wer seinen Markt als Eigentum betrachtet und Neueinsteiger juristisch bekämpfen will, kann nur verlieren, meint Springer-Autor und Zukunftsmanager Heino Hilbig. Denn die Klage eines Taxifahrers gegen Moia wird neue Verkehrskonzepte nicht verhindern. 

Der Unternehmer und Taxifahrer Ivica Krijan hat geklagt. Gegen den Hamburger Senat. Er möchte sicherstellen, dass er und seine Angestellten auch in Zukunft von ihrer Arbeit als Taxifahrer leben können.Übrigens darf ich Ihnen solche höchstpersonenbezogenen Details trotz DSVGO erzählen, weil er das selbst auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Herr Krijan klagt, weil der Senat das Mobilitätskonzept Moia des Wolfsburger Autobauers VW für Hamburg zugelassen hat.

Elektrobusse von VW ergänzen das Nahverkehrsangebot

Bereits im kommenden Jahr will Volkswagen einen kleinen Elektrobus unter diesem Namen in Hamburg als neues Verkehrsmittel einsetzen und damit insbesondere die sogenannte letzte Meile überbrücken: Moia soll dem Nahverkehr ähnliche Preise als eine Art Individual-Bus überall dort zum Einsatz kommen, wo aufgrund dünner Linienplanung und magerer Fahrpläne der Weg zur nächsten Haltestelle recht weit ist. Mit einer App meldet man sich für eine Fahrt mit Start und Ziel an und Moia holt die Fahrgäste dann in optimierter Reihenfolge ab. Ohne feste Fahrpläne oder Fahrtstrecken berechnet die App die laufenden Touren und stellt sicher, dass keiner der Fahrgäste größere Umwege in Kauf nehmen muss.Dieses Konzept gefällt dem Taxifahrer nicht, vermutet er doch damit eine Aushöhlung seines Geschäftes: Moia könnte das hergebrachte Taxi obsolet machen. Medien gegenüber begründet er seine Klage damit, dass er das Taxi-Geschäft nicht in die Hände großer Konzerne verschenken will.Abgesehen davon, dass

  • jeder Taxiverband eine App zum Fahrtenteilen hätte auf den Markt bringen können,
  • die Nutzung von Elektrofahrzeugen ebenfalls keinen unfairen Wettbewerbsvorteil  darstellt – schließlich kann jeder Taxibetrieb heute elektrisch angetriebene Busse einsetzen
  • und deshalb das Konzept der Wolfsburger bis dahin eben nicht besonders originell ist,

warten Krijan und seine Kollegen höchst selten in den Bereichen, die Moia bedienen soll, auf neue Kunden - was jeder Vorortbewohner der größeren Städte sofort bestätigen wird.

Nie wirklich erfolgreich: Juristische Mittel gegen die Zukunft

Nun ist der Versuch, sich Konkurrenz mit rechtlichen Mitteln vom Leibe zu halten, nicht besonders neu. Allerdings war er auch noch nie besonders erfolgreich. Man denke nur an das Unternehmen Apple, das den Kampf um die runden Ecken bei Smartphones ebenso vor Gericht verloren hat, wie Kodak es nicht geschafft hat, mit seinem Patent zur Digitalkamera den Fotomarkt zu kontrollieren.Dennoch gibt es immer wieder Versuche. Nicht jeder klagt, aber die Auffassung, den eigenen Markt als Eigentum zu betrachten, in den niemand anders eintreten dürfe, gibt es in fast jedem Unternehmen.Wie falsch so eine Auffassung ist, sieht man besonders gut an der Taxi-Klage. Denn tatsächlich ist die Einführung von Moia in Hamburg ja nur eine Vorstufe dessen, was den Markt auf den Kopf stellen wird: Das Konzept Moia ist von VW erdacht, um in den ersten Jahren des kommenden Jahrzehnts diese Fahrzeuge autonom durch die Straßen fahren zu lassen. Autonome Fahrzeuge sind das lange, selbst von sogenannten Experten völlig unterschätzte erste Ergebnis der Zusammenarbeit von Big Data, Künstlicher Intelligenz und superschnellem Internet und werden ohne jeden Zweifel in wenigen Jahren unser heutiges Denken zur Mobilität komplett verändern. Die Unterschiede zwischen Carsharing, Taxi und öffentlichem Nahverkehr werden erst verschwimmen, um dann völlig zu verschwinden.

Zukunft muss man aktiv planen, statt Veränderungen zu verhindern

Die Frage, die sich Taxiverbände und engagierte Unternehmer eigentlich stellen sollten, muss daher lauten: Wie verändern wir unser Geschäftsmodell jetzt, wenn autonome Fahrzeuge nicht nur zur Konkurrenz werden, sondern wenn in wenigen Jahren in den Innenstädten von Menschen gelenkte Fahrzeuge nur noch mit Sondergenehmigungen und nur auf wenigen, ausgewiesenen Strecken fahren dürfen? Am Beispiel der Taxifahrer oder auch der Fahrlehrer lässt sich schnell erkennen, wie umfassend und disruptiv neue Technologien sein werden. Übrigens in fast jeder Branche!Kein Wunder, dass sogar der ADAC heute bereits darüber nachdenkt, wie er sich in Zukunft aufstellen muss, um überhaupt noch eine Bedeutung für Menschen zu haben. Eine der Headlines der aktuellen Imagekampagne lautet:Wir sind nicht Automobil. Wir sind einfach so mobil. Und manchmal laufen wir auch.Hoffen wir also, dass wenigstens der ADAC einen echten Zukunftsprozess hinter sich hat – und nicht nur seine Kommunikation anpasst. Und hoffen wir, dass die Taxi-Innung sich noch besinnt und Maßnahmen zur Zukunftsgestaltung rechtzeitig und ernsthaft in Angriff nimmt. Untergegangene Marken wie Nokia oder untergehende Branchen wie die kamerabasierte Fotografie sind Mahnmale dafür, sich aktiv mit Zukunft zu befassen, statt nur Pfründe verteidigen zu wollen.

Die ganze Kolumne finden Sie auf: https://www.springerprofessional.de/mobilitaetskonzepte/unternehmensstrategie/auf-dem-rechtsweg-ins-verderben/16084856

Bild: Wikimedia Comons Petar Milošević - Own work

Auf dem Rechtsweg ins Verderben? Oder doch auf die Zukunft vorbereiten?

15. August 2018

Ohne Worte: Google liest Wünsche von den Lippen ab!

Google Programm kann Lippenlesen - besser als jeder menschliche Lippenleser

DeepMind ist ein Unternehmen von Google, welches sich mit maschinenbasiertem Lernen, also sogenannter künstlicher Intelligenz befasst. Der Google-Übersetzer oder der Google-Assistent sind nur zwei Ergebnisse dieser Gruppe. Jetzt haben Forscher von DeepMind ein Programm entwickelt, welches das Lippenlesen besser beherrscht als Profis.

Mit einer 41 %-gen Fehlerquote lag das System um einiges besser als die menschlichen Lippenleser, die im Vergleichstest eine Fehlerquote von 93% aufwiesen.

Basis der Entwicklung war  ein System, welches tausenden Stunden Youtube-Material englisch-sprechender Menschen auswertete.

Quelle: Welt.de (https://www.welt.de/kmpkt/article159735025/Googles-kuenstliche-Intelligenz-kann-jetzt-Lippenlesen.html)

Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/99/Mouth.jpg

 

Ohne Worte: Google liest Wünsche von den Lippen ab!

9. August 2018

Einkaufen und Strom tanken

Insgesamt über 13.000 Stromtankstellen meldet das Portal GoingElectric für die zweite Jahreshälfte. Jetzt bietet auch die Handelskette ALDI Strom fürs Auto an. Die Filialen des Unternehmens werden in den kommenden Jahren nach und nach aufgerüstet.

ALDI Süd bietet seinen Kunden bereits seit 2015 an ausgewählten Standorten die Möglichkeit während des Einkaufs ihr E-Auto kostenlos zu tanken.

Die Möglichkeit Schnellladesäulen zu nutzen soll nun für weitere 28 Filialen entlang der großen deutschen Autobahnen im Süden Deutschlands ausgeweitet werden. Eine Schnellbetankung von 30 Minuten während eines Einkaufs könne eine Reichweitenverlängerung von bis zu 200 Kilometern ermöglichen. Auch die Mitstreiter LIDL, REWE und Kaufland bieten ihren Kunden an einigen ihrer Niederlassungen bereits Ladesäulen an. Immer mehr Händler folgen diesem Beispiel, um die Lücken im Netz wenigstens etwas zu schließen. So hat auch IKEA bereits 2/3 seiner Häuser mit E-Tankstellen ausgestattet.

Immer mehr scheinbar branchenfremde Unternehmen sehen in dem Angebot von Ladesäulen eine Möglichkeit, zukünftig interessant für Elektromobil-Fahrer zu werden: neben Handelsunternehmen, Restaurants und Hotels plant sogar die Deutsche Telekom ab Sommer 2018 mit der Errichtung  von Ladestationen. Ausgangsbasis sollen dabei  die  Verteilerkästen des Unternehmens sein, die Tausendfach in der Bundesrepublik verteil sind.

Eine überaus spannende Frage bleibt, womit Tankstellenpächter in einigen Jahren Geld verdienen wollen, denn bislang gibt es praktisch keine Ladestationen an traditionellen Tankstellen.

Quellen: https://unternehmen.aldi-sued.de/de/presse/pressemitteilungen/verantwortung/2018/pressemitteilung-aldi-sued-baut-flaechendeckendes-netz-von-elektrotankstellen/

Bild: presse@aldi-sued.de

Einkaufen und Strom tanken

6. August 2018

Freie Fahrt für Geisterschiffe

Autonom oder ferngelenkt fahrende Roboterschiffe sind bereits seit einigen Jahren ein Thema. In Norwegen sind schon Prototypen in Praxistests unterwegs. Nun zieht auch die Bundesregierung nach. Schon 2020 könnte es erste Schritte dazu geben.

Es bedurfte der kleinen Anfrage des Abgeordneten Bernd Reuther, um zu erfahren, dass auch in Deutschland Überlegungen zur automatischen Steuerung des Schiffsverkehrs angestellt werden. Die Bundesregierung zieht erste Testgebiete zur Erprobung der autonomen Schiffe und Systeme in Betracht. Erforderlich sei zunächst jedoch, das Regelwerk der Internationalen Maritimen Organisation (IMO) anzupassen, bevor es an die Umsetzung geht. Zwar werden keine konkreten Testgebiete genannt, aber man können sich verzweigte Wasserstraßennetze wie Berlin, verschiedene Häfen oder auch die Unterelbe von Geesthacht bis zur Mündung in die deutsche Bucht vorstellen. Bereits seit längerem ist man dabei den Einsatz von Roboterschiffen zu erforschen und nach ersten Erprobungen z.B. in Norwegen, könnte es ab 2020 soweit sein.

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/schifffahrt---berlin-bund-will-testgebiete-fuer-autonom-fahrende-schiffe-ausweisen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180801-99-378819

Bild Rolls-Royce (https://www.flickr.com/photos/rolls-royceplc/33022902585/in/album-72157647334399764/)

 

Freie Fahrt für Geisterschiffe

7. Juli 2018

Lufttaxis – wird Science Fiction schon 2025 Wirklichkeit?

Eine neue Studie befasst sich seriös mit dem Verkehrsträger der Zukunft.

5´Spätestens seit dem „Fünften Element“ in dem Bruce Willis die wunderschöne Heldin durch rechtzeitiges Erscheinen rettet, sind fliegende Taxis existent – zumindest theoretisch. Nun aber scheint auch diese Vision näher an die Realisierung zu kommen. Bis zum Jahre 2025 könnte  dies Wirklichkeit und die Probleme der Gegenwart, die Millionenstädte in der ganzen Welt haben, könnten dann behoben werden.

Vor einem Jahr hatten wir in diesem Blog bereits  über das unbemannte Flugobjekt der Firma Volocopter und dessen Testbetrieb in Dubai berichtet. Nun  kündigt auch eine neue Studie (Download Studie „The Future of Vertical Mobility“) der Beratungsgesellschaft Porsche Consulting in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt den neuen Markt für vertikale Mobilität an.

Konkret analysieren die Macher der Studie den Verkehr der Metropolen zu den jeweiligen Flughäfen: In München z.B. benötigt man für die reguläre Strecke vom Marienplatz bis zum Flughafen Franz-Joseph Strauß per Auto 37 Minuten, per öffentlichem Nahverkehr immer noch 34 Minuten (Quelle: Google Maps). Mit dem Lufttaxi könnte man nicht nur durch die höhere Geschwindigkeit von 200 km/h, sondern auch durch die etwa 10km kürzere Luftlinie fast zwanzig Minuten einsparen. Kosten würde der Transport für bis zu vier Personen etwa 100 Euro. In Hamburg betrüge die Flugzeit sogar nur drei Minuten (27 Minuten weniger als mit dem Auto) bei Kosten von etwa 35 Euro. Allerdings, so die Experten, ist die Strecke etwas zu kurz, denn erst ab einer Distanz von 20 Kilometern können Auto, Bus und Bahn geschlagen werden. Um größtmögliche Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen, müssten Schlüsselaspekte wie Sicherheit und Lärmreduktion gelöst werden, so die Studie.

Länder mit schnellen Entscheidungsprozessen wie Dubai, Singapur und China werden Vorreiter der neuen Art der Mobilität sein und von 2025 an soll der Markt stetig wachsen. Bereits im Jahre 2035 sollen weltweit 23.000 Lufttaxis abheben.

Dass fliegende Taxis keineswegs Science-Fiction sind, zeigt die Tatsache, dass schon viele namhafte Unternehmen sich mit dem Thema beschäftigen. Neben Startups, dem Fahrdienstvermittler Uber und den Autobauern Porsche und VW, die die Studie in Auftrag gaben, gehören auch die Flugzeugbauer Boeing und Airbus zu den Unternehmen, die von dem geschätzten Marktvolumen von 32 Milliarden Dollar ihren Anteil vom Kuchen haben wollen.

Quelle: https://www.porsche-consulting.com/de/home/news/lufttaxi-fuer-hamburg-in-drei-minuten-vom-flughafen-zum-jungfernstieg/#image-1

Bild: Porsche Consulting 

Lufttaxis – wird Science Fiction schon 2025 Wirklichkeit?

2. Januar 2018

Alle Jahre wieder und zum Jahreswechsel 2018: Was 'Zukunfts-Experten' wirklich taugen

Jedes Jahr wieder gibt es sogenannte Experten, die uns erzählen, wie die Zukunft aussehen wird - und jedes Jahr liegen sie alle wieder daneben

Philip E. Tetlock hat in seinem Buch "Expert Political Judgment: How Good Is It? How Can We Know?" schon 2006 nachgewiesen, dass sogenannte Experten bei Zukunftsprognosen kaum besser seien, als "ein Schimpanse, der Pfeile auf eine Dart-Scheibe wirft". Um das tun zu können, hatte er Prognosen renommierter (soll heißen: gut bezahlter) Meinungsmacher über einen Zeitraum von fast dreißig Jahren beobachtet und ausgewertet.

Das Ergebnis war - wie schon beschrieben - erschreckend.

Seltsam nur, dass wir in vielen Fachmedien, Fernsehsendern und Webseiten dennoch jedes Jahr wieder zu Jahresbeginn eine Vielzahl von Prognosen zur wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklung des neuen Jahres erhalten, aber sich keiner der fraglichen Medien mal die Mühe macht, solche Vorhersagen kritisch rückblickend zu betrachten.

Auch wir möchten uns da weitestgehend zurückhaltend, denn außer ein wenig Heiterkeit über ausgebliebene Weltuntergänge sind solche Rückblicke bestenfalls ermüdend. Denn die meisten Experten scheitern an der simplen Tatsache, dass sie monothematisch unterwegs sind und die Entwicklung der Welt nur aus einer Perspektive sehen. Ein schönes Beispiel dafür ist Michio Kaku - eigentlich ein seriöser US-Physiker -, der als TV-Experte normalerweise versucht, Technik und Physik allgemeinverständlich darzustellen. Für sein erstmals 2011 (!) erschienenes Buch "Die Physik der Zukunft - unser Leben in 100 Jahren"  hat Kaku 300 Physiker und Techniker nach ihrer Vision befragt und einen kleinen Almanach des technisch Möglichen erstellt. Aber schon auf Seite 48 der deutschen Ausgabe, beginnt er sich hoffnungslos zu verirren:

"Der Übergang zu intelligenten Autos wird nicht von heute auf morgen stattfinden. Zuerst wird das Militär diese Fahrzeuge einsetzen und im Verlauf dessen alle Macken ausmerzen. Dann werden Roboterautos auf den Markt gelangen, und zuerst auf langen und langweiligen Fernstrecken eingesetzt werden...."

Wer diesen Blog regelmäßig liest, wird wissen, dass nur sechs Jahre nach dieser Prophezeiung die ersten selbstfahrenden Busse auf deutschen Straßen  bereits im probebetrieb unterwegs sind - in den Innenstädten und keineswegs vom Militär vorgetestet.

Ein wirkliches Highlight monothematischer Zukunftssichten hat sich ausgerechnet ein Wissenschaftler erlaubt, der neben seiner Professur an einer Hamburger Universität zudem noch ein Unternehmen namens "Economic Trends Research" begründet hat: In einem Gastartikel des Hamburger Abendblattes (den ganzen Artikel finden Sie hier) appelliert Professor Michael Bräuninger an die Politik, sich nicht von Technologien verführen zu lassen. Gemeint ist damit der Fokus auf e-Mobilität und die batteriegetriebene Stromspeicherung insbesondere. Darin listet er jeden nur denkbaren Gedanken auf, der gegen E-Mobilität spricht. Scheinbar logisch und wissenschaftlich fundiert. Aber eben nur scheinbar:

Die wissenschaftlich unsaubere Argumentation beginnt schon mit der Einleitung, in der Professor Bräuninger den schleppenden Start der e-Mobilität als Beweis für die Unfähigkeit der Technologie heranziehen möchte. Dabei sollte er als Wissenschaftler im Laufe seines Studiums davon gehört haben, dass fast jeder Wachstumsprozess in Natur und Wirtschaft exponentiell abläuft – und solche  Entwicklungen haben die (natürliche) Eigenschaft, am Anfang eben kaum zu wachsen. Ein Blick über die Landesgrenzen hinaus z.B. nach Norwegen hätte schnell gezeigt, dass nach der ruhigen Anfangsphase der steile Anstieg folgt: In Norwegen sind in 2017 schon 50% der neu angemeldeten Fahrzeuge e-Mobile oder Hybride.

Dann, so argumentiert Herr Bräuninger weiter, sei die Ladekapazität für Batterien so niedrig dass man LKWs damit kaum über lange Strecken bewegen könne.  Auch wieder nur halbrichtig: Denn tatsächlich wird e-Mobilität im Moment primär für den Personenverkehr diskutiert. Von batteriebetriebenen LKW spricht aktuell  ebenso wenig jemand wie von batteriebetriebenen Zügen oder Großflugzeugen.

Und dann kommt das Killerargument der Urlaubsreise –  mit dem der Autor das Horrorszenario endloser Autoschlangen an den Riesentankstellen beschwört, weil alle gleichzeitig mit Ihrem e-Fahrzeug nach Italien und an die Ladesäule an der Autobahn wollten. Klingt alles logisch – solange man Zukunft als lineare Fortsetzung der Gegenwart betrachtet wie Professor Bräuninger.

Aber: So funktioniert Zukunft nicht!

So wie die Wechsel von der Schreibmaschine zum PC  oder vom Handy zum Smartphone Verhaltensweisen der Mensch radikal verändert haben, so wird dies auch geschehen, wenn der Nachfolger des Verbrennungsmotors zukünftige  Fortbewegungsmittel antreibt.  Hinzu kommt, dass eine technische Änderung selten allein kommt und deshalb Zukunftsszenarien immer ganzheitlich betrachtet werden sollten. Im Falle der e-Mobilität ist das autonome Fahren (um nur mal einen mehrerer zu berücksichtigender  Aspekte zu benennen) ebenso im Kommen und wird die Art, wie wir miteinander Fahren ebenfalls – vermutlich sogar dramatisch - verändern. Wenn der Leiter der Konzernforschung von VW Axel Heinrich recht behält, werden selbstfahrende Autos mit maximaler Sicherheitsausstattung tödliche Unfälle um 90% reduzieren können. Das und der deutlich geringere Platzbedarf im Straßenverkehr (und damit das Potential, Verkehrswege sogar reduzieren zu können) könnte ein hoher Anreiz für die Politik sein, dieser Technologie schnell Priorität auf deutschen Straßen einzuräumen.

Schon im kommenden Jahr sollen in Hamburg die ersten 100 autonom fahrenden Kleinbusse erprobt werden, die Fahrgäste individuell aufnehmen sollen. Diese Technologie hat die Kraft, die Grenzen zwischen öffentlichem Bus, Taxi und CarSharing verwischen zu lassen und sich so schon, je nach Technologiefortschritts binnen eines Jahrzehnts zum bevorzugten Verkehrsmittel in den Städten entwickeln.

Solche Mobil-Systeme würden dann vermutlich eher gemietet als besessen und verschwinden zum Laden ebenso, wie es heute Taxen machen: Sie laden, wenn kein Passagier an Bord ist. Gibt es dann Staus an Ladesäulen, kann das dem Nutzer völlig gleichgültig sein – er bekäme  von diesem Ladeprozess nichts mit.

Und der Urlaub?

Nun, wer unbedingt daran glauben möchte, dass wir auch in Zukunft den Italienurlaub mit 1.200 km im Auto beginnen…  Dann kommt vielleicht auch da ein intelligentes CarSharing zum Zuge. Renault und der chinesische Autobauer Neo erwarten ab 2020 Batterien mit 1.000 km Reichweite. Und falls das nicht reicht, wartet irgendwo auf halber Strecke eben ein zweites CarSharing Fahrzeug und man steigt einmal um.

Fehler in der Energiebilanzrechnung

Übrigens stimmt auch die Betrachtung der Energiebilanz in Professor Bräuningers Artikel nicht: Zu meinen Studienzeiten hatten wir ähnliche Kommentare einiger unserer Physikprofessoren, die als sicher einstuften, dass wir niemals einen nennenswerten Anteil an regenerativen Energien erzeugen könnten. Das hat sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Wir gewinnen heute laut Umweltbundesamt bereits 31,7% unserer Energie aus nachhaltigen Quellen - Tendenz weiter steigend. Unser Nachbar Dänemark erzeugt bereits fast 50% seines Strombedarfs aus regenerativen Energien – und will bis 2030 daraus sogar 100% machen.

Und der von Professor Bräuninger versprochene Prozess,“CO2 in Wasserstoff, Gas oder flüssige Kraftstoffe umzuwandeln“? Nun, zunächst einmal läßt sich aus Kohlendioxid, welches nun einmal aus einem Kohlenstoff- und zwei Sauerstoffatomen zusammengesetzt ist, beim besten Willen kein Wasserstoff gewinnen – es sei denn man wäre mittelalterlicher Alchimist.

Bleiben die anderen, technisch machbaren Prozesse. Die Kosten hierfür sind nicht nur, wie von ihm beschrieben, „derzeit noch zu hoch“, sondern werden es auch immer bleiben: Um aus CO2 einen Treibstoff zu machen, benötigt man etwa viermal so viel Energie wie man anschließend in dem  erzeugten Kraftstoff  zur Verfügung hat. Das ist (leider) eine physikalisch-chemische Konstante und führt unvermeidlich zu der logischen Frage, weshalb man 75% der verfügbaren Energie verschwenden sollte, um den Rest dann in den Fortbestand des Verbrennungsmotors zu stecken, wenn man doch auch gleich 100% zur Fortbewegung nutzen könnte.

Wer für die Zukunft planen will, darf auf keinen Fall linear denken und nur die Entwicklung einer Technologie isoliert betrachten. Und wer als Experte dennoch eine Prognose wagen möchte, sollte den Philosophen Artur Schopenhauer im Kopf behalten, der gesagt hat:

Jeder Mensch hält die Grenzen seines eigenen Blickfeldes für die Grenzen der Welt.

Abbildung: Theo Crazzolara - Feuerwerk, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49572804

 

 

Alle Jahre wieder und zum Jahreswechsel 2018: Was 'Zukunfts-Experten' wirklich taugen

21. Dezember 2017

HEAT: Zweites Projekt zum autonomen Fahren für Hamburg ist auf dem Weg

In Hamburg hat ein Konsortium den Fördertopf des Bundes erfolgreich angezapft. Zweites Projekt soll bereits 2018 in Hamburg den Live-Betrieb aufnehmen.

Eine kleine, unscheinbare Presseerklärung der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation von gestern zeigt, dass das Thema autonomes Fahren in Hamburg jetzt massiv Fahrt aufnimmt: Ein Konsortium namens HEAT (Hamburg Electric Autonomous Transportation), bestehend aus Behörden und Unternehmen der Stadt Hamburg hat sich erfolgreich um einen Förderetat des Bundes beworben und will bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 die ersten autonomen Busse durch die Hafencity fahren lassen.

Anders als das mit der deutschen Bahn vereinbarte Pilotprojekt (siehe Eintrag vom 10. Juli 2017) soll dieses Projekt jedoch nicht in den äußeren, wenig besiedelten und noch weniger besuchten Randflächen Hamburgs stattfinden. Statt dessen sollen die geplanten Busse die prestigeträchtige Hamburger Hafencity befahren.

Der Senat macht ernst mit seiner Ankündigung, dem ITS-Weltkongress 2021 ein geradezu vorbildlicher Gastgeber sein zu wollen.

Hier geht es zur  Presseerklärung

Abbildung: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

HEAT: Zweites Projekt zum autonomen Fahren für Hamburg ist auf dem Weg

26. Oktober 2017

Erstes vollständig autonom fahrendes Fahrzeug auf deutschen Straßen: Bahn erprobt Elektrobus

Es ist so weit: Die Zukunft des autonomen Fahrens hat begonnen. Wann macht die Bahn CarSharing und Taxi bundesweit Konkurrenz?

Seit gestern gibt es das erste vollkommen autonom fahrende Fahrzeug auf den öffentlichen Straßen der Bundesrepublik. Im einem kleinen Ort namens Bad Birnbach wird auf einer 700 Meter langen Teststrecke der autonome Bus der Deutschen Bahn getestet, bevor er auch in anderen Städten wie zum Beispiel Hamburg ab 2018 eingesetzt werden soll.

Das Fahrzeug ist von einem französischen Unternehmen namens EasyMile erdacht und gebaut worden und wird bereits seit 2015 in über 60 Orten weltweit getestet.

In Bad Birnbach fährt der kleine Autonome noch mit ganzen 15 Stundenkilometern durch die Straßen und wird auch noch von einem Mitarbeiter der Bahn begleitet, der jederzeit in die Fahrt eingreifen könnte. Beides sind aber Maßnahmen, die der Absicherung des Tests dienen, denn das Fahrzeug kann auf der vorher vermessenen Strecke mit bis zu 40 km/h völlig autonom unterwegs sein.

Ohne Zweifel ist dieser Tag gestern der Meilenstein gewesen, der unsere Straßen in Zukunft massiv verändern wird. Wenn in wenigen Jahren die Technik erprobt und weiter entwickelt sein wird - weshalb sollte es dann nicht auch kleine Einheiten geben, die wie eine Mischung aus Carsharing und Taxi Fahrgäste von jedem Ort abholen und zum  Ziel bringen? Vernetzt und aufeinander abgestimmt wären solche Fahrzeuge wesentlich sicherer als menschgesteuerte Autos heute und können wie an einer Perlenschnur durch die Städte fahren. Solche Entwicklungen würden sogar Auswirkungen auf den Städtebau der Zukunft haben

 Alle Informationen zum ersten öffentlichen Selbstfahrer finden Sie auf der Seite der Deutschen Bahn.

Abbildung: Deutsche Bahn AG / Uwe Miethe

Erstes vollständig autonom fahrendes Fahrzeug auf deutschen Straßen: Bahn erprobt Elektrobus

10. Oktober 2017

[ZukunftsBlog] Nachtrag zur Autodiskussion: Paris will Benziner und Dieselfahrzeuge bis 2030 aus der Stadt verbannen

Besondere Bedingungen für Metropolen gefordert

In einem Radiointerview hat ein Beamter der Transportbehörde der Stadt Paris davon gesprochen, dass Paris Kfz mit Benzinmotor bereits ab 2030 verbieten könnte. Es gäbe eine besondere Belastung für Metropolen wie Paris – deshalb müsse man dort früher beginnen als im Rest des Landes. Für Dieselfahrzeuge schloss er zudem eine noch frühere Einschränkung der Fahrerlaubnis im Stadtgebiet nicht aus.

Frankreich plant, die Neuzulassung solcher Fahrzeuge ab 2040 für das ganze Land zu verbieten.

Hier die aktuelle Übersicht über geplante Verbote:

Frankreich: ab 2040 keine Zulassung mehr

Paris:  ab 2030 kein Zugang mehr zum Stadtgebiet

UK: ebenfalls ab 2014 keine Zulassung neuer Kfz mit Verbrennungsmotor

Niederlande:  ab 2030 keine Zulassung neuer Kfz mit Verbrennungsmotor

Deutschland:     Die Grünen sprechen sich für ein Zulassungsverbot ab 2030 aus

Norwegen:        Ab 2025 sollen alle Neufahrzeuge emissionsfrei sein.

Bislang sind alle diese Daten aber reine Ankündigungen. Konkrete Gesetzgebungsvorhaben gibt es dazu noch in keinem Land.

 

Abbildiung: By I, BrokenSphere, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2460048

Nachtrag zur Autodiskussion: Paris will Benziner und Dieselfahrzeuge bis 2030 aus der Stadt verbannen

6. Oktober 2017

Google hat den Universalübersetzer Wirklichkeit werden lassen.

Nie mehr Kommuniationsprobleme: Sprachkurse werden damit großenteils überflüssig.

Etwas untergegangen ist in der neuesten Google-Produktpräsentation ein kleines Produkt am Ende der Show: Die Pixel Buds – zwei Bluetooth-Ohrhörer mit geballter künstlicher Intelligenz - wie alles, was Google an dem Tag vorgestellt hatte. Das Besondere an diesem Teil der Show war die Demonstration der Buds mit dem integrierten Aufruf des Google Assistant https://www.youtube.com/watch?v=kWb1ysqtc4o.

Durch einfaches Tippen an die Ohrhörer wurde es möglich, den Translator von Google aufzurufen und praktisch eine Simultan-Übersetzung durchzuführen. Demonstriert wurde diese Funktion von zwei Google-Mitarbeitern, die Englisch bzw. Schwedisch miteinander sprachen.

Auch wenn diese Funktion noch ein wenig holprig ist und noch Eingriffe der Nutzer (Button drücken) bedarf: In wenigen Jahren wird diese Funktion perfektioniert sein und wir werden uns direkt und ansatzlos in jeder fremden Kultur verständigen können. Sprachen lernen wird dann für viele nur noch ein Hobby sein.

Abbildung: Legoland Billund, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Legoland_Indianer.jpg#/media/File:Legoland_Indianer.jpg

Google hat den Universalübersetzer Wirklichkeit werden lassen.

29. September 2017

China allen Industrieländern weit voraus? Ab 2019 gilt eine Quote für E-Autos und Hybride

Wer jetzt noch daran gezweifelt hat, dass der Wechsel bevorsteht, wird eines besseren belehrt.

Seit dem 28. September steht nun fest: Wer ab 2019 in China nennenswert Autos herstellt und vertreibt, muss eine Quote für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben erfüllen. Jedes zehnte Auto muss dann bereits mit E- oder Hybrid-Antrieb ausgestattet sein. Das hat die chinesische Regierung an diesem Tag verkündet.

Damit wird klar: China wird ab übernächstem Jahr auf Anhieb 10% aller Fahrzeuge umweltfreundlich zulassen. In China wurden in den vergangenen Jahren etwas über 23 Millionen PKW verkauft, das sind mehr als in Deutschland (2016: 3,5 Millionen) und den USA (2016: 17,5 Millionen) zusammen. In 2019 dürfte diese Zahl sogar auf etwa 27 Millionen Fahrzeuge steigen, was einen jährlichen Markt von knapp 3 Millionen Alternativ-Autos ergibt.

Ebenfalls klar ist damit, dass sich bei einem so großen Markt das ohnehin in diesem Jahr massiv angewachsene Entwicklungstempo bei Elektrofahrzeugen weiter verstärken wird. Damit einhergehen werden die Laufleistung je Batteriefüllung und zwangsweise auch die Zahl der Ladestationen.

Und wenn dieser Prozess in China, Deutschland und den USA erst einmal in Gang gekommen ist, werden andere Länder zügig folgen.

Quelle: FAZ

 

Abbildung: By Australian cowboy (talk) - Own work (Original text: I (Australian cowboy (talk)) created this work entirely by myself.), GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11970448

 

China allen Industrieländern weit voraus? Ab 2019 gilt eine Quote für E-Autos und Hybride

12. September 2017

Chinas Regierungsvertreter kündigen Überlegungen zum Ausstieg aus Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren an.

Aktuell ist aber kein strategischer Zeitplan in Sicht.

Immer wieder wird berichtet, dass China davon profitieren würde, wenn die e-Mobilität die Diesel- und Benziner-Fahrzeuge ablösen würde: e-Autos sind deutlich einfacher zu bauen. Von den Auswirkungen auf die Luftreinheit in China ganz zu schweigen. Deshalb lohnt sich immer wieder ein Blick auf Veränderungen, die China plant.

Nun berichtet Bloomberg, dass Offizielle der chinesischen Regierung erstmals von Ausstiegsplanungen berichten. Xin Guobin, der stellvertretende Minister für Industrie und Informationstechnologie, hatte am Sonnabend auf einer Autoausstellung verkündet, dass China gemeinsam mit anderen Ländern über Vorgaben zum Ausstieg aus der Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren nachdenke. Damit würde das Land den Ankündigungen einiger europäischer Staaten folgen, die in den letzten Monaten ähnliches signalisiert hatten: So wollen Frankreich, UK und Norwegen zwischen 2025 und 2040 das Ende dieser Fahrzeuge erreicht haben. Und auch in China ist kein strafferer Zeitplan in Sicht: Ein Manager der Firma Chery Automobile Co., des größten PKW-Exporteuers Chinas, wird ebenfalls von Bloomberg mit den Worten zitiert, dieser Ausstieg könne für China durchaus auch erst nach 2040 wirksam werden.

Quelle: Bloomberg

Abbildung: By Australian cowboy (talk) - Own work (Original text: I (Australian cowboy (talk)) created this work entirely by myself.), GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11970448

 

Chinas Regierungsvertreter kündigen Überlegungen zum Ausstieg aus Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren an.

31. August 2017

Keine Chance: Software kann Einbrüche nicht vorhersagen.

Auch dieser Test der Vorhersage hat sich bislang nicht bewährt.

In den USA wird schon länger Software eingesetzt, die vorhersagen können soll, wo mit den nächsten Wohnungseinbrüchen gerechnet werden kann. Auch in Deutschland hat es mit solcher Prognosesoftware Versuche gegeben, die wissenschaftlich vom Max-Planck-Institut in Freiburg begleitet wurde. Obwohl die Studie nach sechs Monaten bereits im April 2016 abgeschlossen war, wurden die Ergebnisse erst jetzt bekannt gemacht.

In der offiziellen Zusammenfassung heißt es wörtlich:

Der wichtigste Schluss ist, dass kriminalitätsmindernde Effekte von Predictive Policing  im Pilotprojekt P4 wahrscheinlich nur in einem moderaten Bereich liegen und allein durch dieses Instrument die Fallzahlen nicht deutlich reduziert werden können.

Übersetzt heißt dieser klassische Statistiker-Sprech etwa: Es ist so wenig Veränderung gemessen worden, dass man als Statistiker nicht ausschließen kann, dass die Effekte auch durch ganz andere Dinge (mehr Polizisten auf den Straßen, schlechtes Wetter, Schnupfen und Husten bei den Einbruchsclans) verursacht gewesen sein könnte.

Viele namhafte Datenbank und BigData Unternehmen sind in diesen Zug aufgesprungen – ähnliche Programme sind  in den USA und UK seit einigen Jahren  im Einsatz. Aber auch darum ist es in den vergangenen zwei Jahren recht ruhig geworden. Größere Erfolgsmeldungen gibt es seit 2016 eigentlich nicht.

Quelle: Max Planck Institut für ausländisches und internationales Strafrecht

https://www.mpicc.de/files/pdf4/pm_02_2017_predictive_policing.pdf

Software kann Einbrüche nicht vorhersagen

28. August 2017

in 3D

3D-Druck im Airbus A-350

Dass mit 3D-Druck als ernsthafte Produktionsmethode gerechnet werden sollte, ist noch nicht vielen Unternehmen klar. Dabei nutzen wir die Technik sogar schon, wenn es im Flugzeug mal brenzlig wird.

Wem bei 3D-Druck nur die listigen dreidimensionalen Figuren einfallen, die man bei innovativen Fotohändlern von sich selbst herstellen lassen kann, der unterschätzt die Sprengkraft, die die Herstellungsmethode 3D-Druck besitzt: Hochkomplexe Materialien lassen sich in kleinsten Stückzahlen zu Produkten formen. Die Materialkosten für solche Produkte fallen dabei fast täglich.

Jetzt beliefert ein kleines Unternehmen aus Barsbüttel bei Hamburg einen Zulieferer von Airbus sogar mit einem speziellen Bauteil, welches zum Zuge kommt, sollten tatsächlich mal Sauerstoffmasken aus der Decke fallen müssen. Dieses Bauteil – eine Art Tank – muss extrem hitzebeständig sein.

Was könnte man in Ihrer Branche mit 3D-Drucktechniken herstellen?

Quelle: Hamburger Abendblatt

Abbildung: By Julian Herzog, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55711410

3D-Druck im Airbus A-350

in 3D

21. August 2017

in 3D

StarTrek für Tiere: das Holodeck ist Realität geworden

Forscher der Universitäten Wien und Freiburg haben eine Umweltsimulation jetzt auch für Tiere erschaffen, deren Idee auf der TV-Serie StarTrek beruht.

Um das Verhalten von Tieren in freier Umgebung studieren zu können, haben Forscher jetzt eine virtuelle Welt geschaffen, in der Mäuse, Fliegen und Zebrafische gleichermaßen beobachtet werden können.

Anders als beim Holodeck des Fraunhofer Instituts (siehe  Beitrag vom Januar 2017) erhalten die Tiere taäschlich eine 360Grad Projektion, in der sie sich scheinbar bewegen. Eines der dramatischten Ergebnisse der Forscher:  Mäuse haben Höhenangst!

Quelle: Nature Methods

https://www.nature.com/nmeth/journal/vaop/ncurrent/full/nmeth.4399.html

Bildmaterial:

https://strawlab.org/freemovr

StarTrek für Tiere: das Holodeck ist Realität geworden

in 3D

16. August 2017

Zu gut um wahr zu sein: Deutsche Unternehmen führend beim autonomen Fahren?

Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft sollen deutsche Unternehmen mit Abstand die meisten Patente zum autonomen Fahren besitzen.

Genau 58 Prozent aller seit 2010 angemeldeten Patente zum autonomen Fahren seien im Besitz deutscher Firmen, will das Institut ermittelt haben. Man dürfe sich darauf aber nicht ausruhen, so die Pressemitteilung des industrienahen Verbandes. Eine Gefahr, wie z.B. Nokia von quereinsteigenden  Firmen vom Markt verdrängt zu werden, sieht der Verband gleichwohl nicht.

Meine Anmerkung:

Solche Zahlen beruhigen – dafür werden sie veröffentlicht. Der Schluss, dass man als deutscher Kfz-Anbieter oder Zulieferer deshalb aber schon sicher sei, ist jedoch gewagt. Bei Kodak war es ein einziges Patent – das wichtigste zur digitalen Fotografie überhaupt – welche man über zwanzig Jahre in der Schublade versauern ließ, während die Konkurrenz munter diesen Markt eroberte. Das Ergebnis ist bekannt: Der einstmals leuchtende US-Konzern ist heute nur noch ein Schatten seienr selbst.

Quelle: Institut der Wirtschaft

 

 

Zu gut um wahr zu sein: Deutsche Unternehmen führend beim autonomen Fahren?

24. Juli 2017

Autonomes Fahren im Parkhaus ist schon Realität

Die Meldungen zum autonomen Fahren überschlagen sich in diesen Tagen. Ein untrügerisches Zeichen, dass wir vor radikalen Veränderungen im Straßenverkehr stehen.

Jetzt haben Daimler Benz und Bosch gemeinsam eine Lösung für autonomes Fahren im Parkhaus vorgestellt und direkt umgesetzt: Im Mercedes-Benz Museums in Stuttgart werden Fahrzeuge ab 2018 automatisch – völlig unbemannt - vom Eingang zum Parkplatz gefahren. Möglich wurde dies durch ein Zusammenspiel der Fahrerassistenz-Systeme in Mercedes Fahrzeugen mit der Sensorik im Parkhaus, die von Bosch kommt.

Meine Anmerkung:

Das Besondere dieser Lösung ist, dass erstmals die externe Steuerung eines autonomen Fahrzeugs nicht nur passiv (also durch Wahrnehmung der Straßenverhältnisse durch die Fahrzeugsensorik) erfolgt, sondern hier externe Systeme und deren Sensoren direkt mit dem Fahrzeug kommunizieren. Dies führt unter anderem dazu, dass in diesem Parkhaus wesentlich enger geparkt werden kann – bis zu 20% mehr Fahrzeuge können so untergebracht werden.

Überträgt man dieses Modell auf den fließenden Verkehr, so ist leicht verständlich, weshalb wir in so einem extern gesteuerten Verkehrsfluss wesentlich weniger Straßenfläche benötigen: Dort wo heute noch zweispurig gefahren werden muss, wird man zukünftig mit einer Fahrspur auskommen.

Allerdings: Das zeigt das Stuttgarter Parkhaus auch: Das System würde kollabieren, müsste es neben der automatischen Steuerung auch noch individuell gefahrene Pkw zulassen. Für die Straße bedeutet das: Wenn wir die Vorteile autonomen Fahrens (weniger Unfälle, entspannteres Fahren, weniger Straßenfläche) konsequent haben wollen, werden wir uns von individuell gesteuerten Automobilen langfristig verabschieden müssen.

HH

 

Quelle (auch Abbildung): Daimler Benz

http://media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko.xhtml?oid=23076118&ls=L3NlYXJjaHJlc3VsdC9zZWFyY2hyZXN1bHQueGh0bWw_c2VhcmNoU3RyaW5nPXBhcmtoYXVzJnNlYXJjaElkPTAmc2VhcmNoVHlwZT1kZXRhaWxlZCZib3JkZXJzPXRydWUmcmVzdWx0SW5mb1R5cGVJZD00MDYyNiZ2aWV3VHlwZT1saXN0JnNvcnREZWZpbml0aW9uPVBVQkxJU0hFRF9BVC0yJnRodW1iU2NhbGVJbmRleD0wJnJvd0NvdW50c0luZGV4PTU!&rs=0

Autonomes Fahren im Parkhaus ist schon Realität

21. Juli 2017

Autonome Fahrzeuge: Das Taxi der Zukunft fährt heute schon in Frankfurt  probe.

Jetzt testet auch Continental  autonome Fahrzeuge.

Er sieht ein wenig aus wie der autonome Bus der Bahn, der  ab 2018 in Hamburg fahren soll: Der CUbE (Continental Urban mobility Experience) fährt seit diesen Tagen auf dem Werksgelände der Continental AG führerlos herum. Das Besondere ist, dass viele der eingesetzten Techniken des Fahrzeugs auf existierenden Fahrerassistenzsystemen beruhen. Ziel des Projektes soll das autonome taxi der Zukunft sein. Bemerkenswert ist auch eine Formulierung der Pressemitteilung, die insbesondere auf die Ausgestaltung des Innenraums solcher Fahrzeuge abzielt. Unsere Prognose: Diesen Aspekt werden wir vermutlich in den kommenden Monaten und Jahren häufiger wiederfinden, denn in diesem Punkt unterscheiden sich die Produktversprechen heutiger und zukünftiger Fahrzeuge am meisten.

Quelle (auch für Bild): Continental AG

https://www.continental-corporation.com/de/presse/pressemitteilungen/cube-technologien-74444

 

Autonome Fahrzeuge: Das Taxi der Zukunft fährt heute schon in Frankfurt probe.

19. Juli 2017

Deutsches Unternehmen realisiert Drohnen-Taxis in Dubai

Während Amazon noch testet, kleine Pakete mit Drohnen zustellen zu lassen, setzt ein Unternehmen aus Bruchsal in Baden-Würtenberg an, den städtischen Passagierbetrieb neu aufzurollen.

Mit Drohnen in Übergröße darf die Firma Volocopter GmbH dank einer vorläufigen Verkehrszulassung seit März 2016 in den Testbetrieb gehen. Schon einen Mnat später fanden die ersten bemannten und unbemannten Flüge statt. Seit juli diesen jahres nun gibt es jetzt ein erstes kommerzielles Zielprojekt:  Das Unternehmen hat mit der staatlichen Verkehrsbehörde „Roads and Transport Authority“ (RTA) von Dubai eine Vereinbarung über den regulären Testbetrieb autonomer Lufttaxis in dem Emirat geschlossen. Ab Ende des Jahres soll ein fünfjähriger Probebetrieb in Dubai laufen.  Und schon 2030 will das Land ein Viertel seines Personenverkehrs mit autonom fahrenden Fahrzeugen bewältigen.

Das Fluggerät besitzt 18 Rotoren, vollständig redundante Antriebsstränge und eine intelligente autonome Steuerung.

Quelle (auch Foto): Volocopter GmbH

https://press.volocopter.com/

Deutsches Unternehmen realisiert Drohnen-Taxis in Dubai

10. Juli 2017

Bis spätestens 2021 fahren Busse in Hamburg autonom

Der Senat der Stadt und der Vorstand der Bahn AG beschließen,  Hamburg mit neuen Zubringer-Shuttlebussen auszustatten, die ab 2021 sogar autonom fahren sollen. Eine Teststrecke dazu wird ebenfalls in Hamburg eingerichtet.

Quelle (auch Abbildung): Deutsche Bahn

http://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/14617304/d21070711.html?hl=bus%20hamburg

Bis spätestens 2021 fahren Busse in Hamburg autonom

20. Juni 2017

Regierungskommission legt Ethikkatalog für autonomes Fahren vor

Nach einem der ersten Gesetze zum Autonomen Fahren legt die Bundesregierung jetzt den Abschlussbericht der Ethikkommission automatisiertes und vernetztes Fahren vor.

Mit diesem Thema hat sich die Bundesrepublik, allen Unkenrufen zum Trotz, wieder weltweit an die Spitze der Entwicklung gesetzt. In keinem anderen Land gibt es derzeit solche Bestrebungen, das Auto der Zukunft keinesfalls an gesetzlichen Grundlagen scheitern zu lassen.

Auf gleich 20 Regeln hat sich die Kommission geeinigt, die vom Gesetzgeber nun in geltendes Recht umgesetzt werden können. Die nachfolgende Aufzählung ist verkürzt – den vollständigen Text der Empfehlung kann man hier herunterladen:

  • Das automatisierte und vernetzte Fahren ist ethisch geboten, wenn die Systeme weniger Unfälle verursachen als menschliche Fahrer (positive Risikobilanz).
  • Sachschaden geht vor Personenschaden: In Gefahrensituationen hat der Schutz menschlichen Lebens immer höchste Priorität.
  • Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung von Menschen nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) unzulässig.
  • In jeder Fahrsituation muss klar geregelt und erkennbar sein, wer für die Fahraufgabe zuständig ist: Der Mensch oder der Computer.
    Wer fährt, muss dokumentiert und gespeichert werden (u.a. zur Klärung möglicher Haftungsfragen).
  • Der Fahrer muss grundsätzlich selbst über Weitergabe und Verwendung seiner Fahrzeugdaten entscheiden können (Datensouveränität).

 

Meine Anmerkung:

Im Vorfeld der Diskussion um Ethikregeln kursierte in den Talkshows immer gerne das Beispiel der Gefahrensituation, in der ein autonomes Fahrzeug einem Unfall mit Personenschaden nicht ausweichen könne und nun entscheiden müsse, ob eine hochschwangere Frau, eine Kindergartengruppe oder zwei äußerst betagte Senioren zum Opfer des Unfalles werden sollen. Solche Beispiele sind jedoch rein rhetorischer Natur und leisten keine Hilfe in der Diskussion: Welcher Experte oder Firmware-Programmierer könnte denn darauf eine sinnvolle Antwort geben?  Tatsächlich ist die Ethikkommission aber klugerweise auf diese Rhetorik nicht eingestiegen, was meiner Meinung nach richtig ist. Das entsprechende Argument für Talkshows lautet schließlich, dass solche Fangfragen bislang auch nicht zum Prüfungsumfang für Führerscheinbewerber gehörten. Weshalb sollte man diese Frage dann bei autonomen Fahrzeugen als Kriterium einer Existenzberechtigung machen?

HH

 

Quelle (Auch Abbildung):Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2017/084-dobrindt-bericht-der-ethik-kommission.html

 

Regierungskommission legt Ethikkatalog für autonomes Fahren vor

24. Januar 2017

Eine weitere Vision aus Star Trek wird Wirklichkeit – das Holodeck ist da!

StarTrek stand Pate: Fraunhofer Institut realisiert erstes reales Holodeck

Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS präsentiert auf der Sprotmsesse ISpo in München ein Holodeck, auf  dem eine Vielzahl an Personen gleichzeitig sich in einer virtuellen Welt auf bis zu 40 000 m² frei zu bewegen können.

Die Idee für das Holodeck entspringt der Science-Fiction-Serie Star Trek, wo virtuelle Welten in einem abgeschlossenen Raum des Raumschiffs simuliert werden konnten. Auf der ISPO MUNICH 2017 wurde diese Fiktion Realität.

Quelle (auch Abbildung): Fraunhofer Institut

https://www.iis.fraunhofer.de/de/ff/lv/lok/proj/holodeck.html

Eine weitere Vision aus Star Trek wird Wirklichkeit – das Holodeck ist da!

27. Oktober 2016

in Imaging

Das Ende der Smartphones: Ein neuer Fotomarkt?

Neue Studie von Mayflower Concepts zeigt riesiges Potential für die Post-Smartphones-Ära

Die globale Fotobranche hat in den vergangenen 5 Jahren bereits 75% des Umsatzvolumens eingebüßt und - wie aktuelle Zahlen zeigen – ein Ende der Talfahrt scheint noch immer nicht in Sicht. Jeder Anbieter sucht derzeit seinen individuellen Weg aus der Krise. Unternehmen werden gesundgeschrumpft, Personal entlassen, das Angebot an die sinkende Nachfrage angepasst.

Doch damit werden jetzt auch die Ressourcen abgebaut, die für die nächste Generation an Foto-Devices erforderlich wären.

Aus der soeben veröffentlichten Studie

Global Imaging Business Report 2016

Das Ende der Smartphones – womit fotografieren wir morgen?

ergibt sich, dass ein Ende der Smartphone-Ära schon in den nächsten fünf bis acht Jahren erwartet wird – und die dann folgende Technologie wieder das Potential für ca. 350 Millionen Image Capturing Devices jährlich hat.

Damit entstünde ein Markt, der etwa dreimal größer wäre als der traditionelle Kameramarkt je war!

Wie bereiten Sie Ihr Unternehmen auf die Zukunft vor?

Der Global Imaging Business Report 2016 kann per E-Mail oder auf unserer Webseite direkt angefordert werden und ist für Marktteilnehmer der Fotobranche kostenlos erhältlich.

Das Ende der Smartphones: Ein neuer Fotomarkt?

in Imaging

16. Oktober 2016

Marketing

Online bringt’s nicht, oder?

Gastbeitrag von Heino Hilbig auf dem Online-Portal des Verlages SpringerGabler

Was bedeutet es eigentlich für die Online-Mediaplanung, wenn alle führenden Online-Anbieter selbst Outdoor und TV belegen?

Nun ist es endlich für jeden erkennbar: Die Marketing-Gurus haben wieder mal versagt. Schade nur, dass wir so wenig hinschauen – wir könnten so viel aus diesem Versagen lernen.

Was für ein schönes neues Geschäft zeichnete sich für die Mediaagenturen am Anfang diesen Jahrtausends am Horizont ab: Online. Ein neuer Geschäftszweig, der, verglichen mit dem Aufwand, den man für Print, TV und Outdoor treiben musste, auch noch deutlich profitabler zu sein versprach.

Und also dauerte es nicht lange, bis Branchengurus den Siegeszug dieser neuen Mediaform prophezeiten. Lemmingen gleich, zogen Marken tatsächlich in das neue Heim ein – schließlich war Online theoretisch doch so viel günstiger als Klassik – und so konnten die Propheten schon vor einigen Jahren Vollzug melden. "Online immer wichtiger", "Online ist das neue TV" oder "In wenigen Jahren wird Online Print überholen" lauteten die üblichen Schlagzeilen der Branchenpresse in den vergangenen Jahren.

Heterogenes Nutzerverhalten 

Dabei wird immer gerne übersehen, dass Online-Nutzer weder ein einheitliches Nutzungsverhalten aufzeigen noch dass das Nutzungsverhalten Online mit der Wahrnehmung im Bereich Print, TV oder Outdoor vergleichbar ist. Oder einfacher ausgedrückt: Anzeigen und Outdoorwerbung werden anders wahrgenommen und treffen Verbraucher in anderen Lebenssituationen als Online-Werbung.

Zudem ist die Wirkung von Anzeigen im Online-Bereich auch noch stark verschieden je nach Nutzertyp: Einen Googler  – jemand, der das Netz hauptsächlich zur direkten Informationsbeschaffung nutzt – werden Sie beispielsweise schlechter zur Nutzung von Online-Angeboten einladen können als einen Facebooker – einfach, weil der Googler sich außerhalb seiner Suchen gar nicht im Netz bewegt.

Das gilt übrigens auch ganz besonders für die so genannten Digital Natives – denn die gibt es eigentlich überhaupt nicht – aber das ist eine andere Geschichte, die ich in einer anderen Kolumne  schon mal angemerkt habe.  

Tunnelmedium Internet

So erwachsen  – und medial wichtig – das Netz inzwischen auch geworden ist. Es ist noch immer ein Tunnelmedium. Wer Menschen überzeugen will, muss mit seiner Kommunikation nun einmal dahin gehen, wo die Menschen sind. Anders ausgedrückt: Wer Menschen ins Sportstudio holen möchte, darf nicht nur Plakate im Sportstudio aufhängen.

Onlinefirmen werben offline

Das haben – achten Sie mal darauf – seit einigen Monaten auch ganz heftig die Online-Anbieter erkannt: Dating-Plattformen, Amazon, Online-Spiele werben aktuelle primär im TV und Outdoor. Und die Budgets, die diese Unternehmen dort einsetzen toppen wirklich alles, was sie zeitgleich Online buchen.

Es ist offensichtlich: Reine Mediaform-Entscheidungen (Online statt TV) simplifizieren zwar den Entscheidungsprozess in Unternehmen, gehen aber am Verbraucher vorbei, denn der lebt nun einmal seinen ganz eigenen Media-Mix. Und diesen Mix gilt es für jedes Produkt, jede Marke und jede Zielgruppe individuell zu finden.

Zugegeben, das ist mühsam. Aber wenn Online-Unternehmen erkannt haben, dass dieser Mix für sie wichtig ist, dann gilt das für andere Produkte und Marken erst recht.

Online bringt’s nicht, oder?

14. Dezember 2015

Marketing

Mediabudget? Keine Ahnung!

Gastbeitrag von Heino Hilbig auf dem Online-Portal des Verlages SpringerGabler

Seit Jahren diskutieren Marketingverantwortliche, Mediaagenturen und Branchenverbände über falsch eingesetzte Mediagelder. Doch leider wird dabei ein wesentlicher Aspekt übersehen, findet Springer Autor Heino Hilbig

Der auch für seine Zitate sicher unvergessliche Helmut Schmidt stellte einmal fest, dass Politiker und Journalisten das traurige Schicksal teilten, oft heute schon über Dinge zu reden, die sie erst morgen ganz verstünden.

Manchmal, wenn ich von Branchenveranstaltungen zurückkomme, frage ich mich, ob dieser Satz nicht auch auf manche Marketingverantwortliche und – insbesondere auch – auf Unternehmenscontroller zutreffen mag. Da wird derzeit – zu Recht! – heftig Kritik daran geübt, dass Mediaagenturen über ganz eigene, vor allem eigennützige, Geschäftsmodelle den Willen der Auftraggeber gekonnt aushebeln. Vergessen allerdings wird dabei, dass es genau diese Agenturen sind, die seit Jahren mit gepflegter Desinformation dafür sorgen, dass es glaubwürdige Mediawirkungsmessung de facto kaum noch gibt.

Nehmen wir nur einmal die „neuen“ Medien: Während sich kleine Fachmedien mühsam darum bemühen, Zugriffszahlen möglichst revisionssicher nachweisen zu können, gilt das für die Big Player des Marktes gerade nicht: Wie oft die eigene Online-Ad bei Google, Facebook und Co überhaupt geschaltet wird – und an wen diese teuer bezahlten Werbemittel ausgeliefert werden, darüber gibt es außer den Versprechen dieser Unternehmen keinerlei neutral ermittelten Nachweise.

Liebe Controller, lassenSie sich das bitte mal auf der Zunge zergehen: Für jede kleine Publikumszeitschrift werden IVW-geprüfte Zahlenwerke mit Zielgruppen-spezifischen Auswertungen gefordert (und geliefert) – wenn es aber um Facebook und Kollegen geht, werden Budgets ohne jede nachprüfbare Analyse freigegeben. Man stelle sich nur einmal vor, die TV-Reichweite würde nicht mehr extern erfasst und gemessen, sondern Sie müssten Ihre Budgetentscheidungen nur auf den Versprechen der Sender aufbauen. Wie viele Unternehmen wären dazu wohl bereit?

Mediaagenturen haben die Pflicht zur Aufklärung

Ob es Verzweiflung ist, die Marketingverantwortliche im Online-Bereich stattdessen zu indirekten (und zusätzlich zu finanzierenden) Werbewirkungsauswertungen greifen lässt, ist nicht überliefert.
Nun könnte man meinen, dass dies doch eher ein Problem der Medien sei – wäre da nicht die Pflicht der Beratung, die die vom Kunden beauftragte (und bezahlte!) Mediaagentur hat. Diese erfolgt in vielerlei Präsentationen, selbst erdachten Studien und – nicht zuletzt – in Form des kommentierten Mediaplanes.

Auf offensichtliche Schwächen hinweisen

Aber gehört nicht auch zu so einer Beratung, auf die Schwächen einer Analyse oder eines Planes hinzuweisen? Natürlich! Nur, dass der Umsatz einer Mediaagentur vermutlich nicht ganz so exorbitant ausfallen würde, wenn man auf die fehlende Nachprüfbarkeit von einigen Online-Budgets hinweist. Oder auf die klaren Fehler der Media-Analyse (wonach zum Beispiel „Ein Herz für Tiere“ mit 25 Mitlesern die meisten Mitleser pro Ausgabe aller untersuchten Titel hätte) und der TV-Reichweitenangabe, die de facto zu bestimmten Tageszeiten auf gerademal 1.500 Testsehern basieren. Oder, oder, oder… Wenn schon Compliance-Prüfungen im Marketing, dann doch bitte an den richtigen, weil wichtigen Stellen!

Marketer stehen in der Verantwortung

Die Schwächen der Mediapläne sind für jeden, der Methoden und Daten lesen kann offensichtlich. Dabei stellt sich die Frage, wie solche Pläne eigentlich die kritischen Augen der Controller passieren können, die ansonsten doch jede Unternehmensausgabe über 500 Euro so akribisch kontrollieren, dass es die Arbeit der Marketingabteilungen manchmal schon schmerzlich behindert.

Solange aber Mediaagenturen anteilig von dem Kundengeld leben, welches sie verplanen sollen, wird es eine solche objektive Beratung wohl kaum geben. Darüber müssen wir uns als Marketingverantwortliche klar sein. Das zu ändern ist übrigens nicht Aufgabe irgendwelcher Verbände, sondern unsere – als Budgetverantwortliche im Unternehmen.

So, liebe Kollegen, wann gehen wir das Problem an?

Mediabudget? Keine Ahnung!

4. September 2015

in Imaging

Imaging

Kollabierender Kameramarkt: Ist das Ende der Talfahrt in Sicht?

Neue Analyse des Kameramarktes von Mayflower Concepts bringt überraschende Erkenntnisse

Die aktuellen Daten scheinen  optimistisch zu stimmen, wenn man eine neue Auswertung betrachtet, die wir von Mayflower Concepts auf Basis der Rohdaten der CIPA aus Japan erstellt haben. Nach den sog. 12-Month-Rolling-Daten* scheint es auf den ersten Blick tatsächlich eine Beruhigung des Marktes zu geben. Aber dieses Bild ist leider trügerisch.

 

 

Denn ein Blick in die Details zeigt schnell, dass die Entwicklungen in den Weltmärkten sehr unterschiedlich verlaufen und für Europa keineswegs optimistisch stimmen.

Europa: Kompakt sinkt, SLR stürzt ab - aber auch Spiegelfrei kann schon lange nicht mehr zulegen

Während sich die Kompaktkamerazahlen ** in Europa auf niedrigem Level stabilisieren, sind die SLR Zahlen** hier kräftiger abgestürzt als in den anderen Weltmärkten. Hinzu kommt, dass die spiegelfreien Systeme in Europa seit zwei Jahren sich bestenfalls  stabil  entwickeln und damit – im Gegensatz zu den allgemeinen Erfolgsmeldungen - keineswegs Marktanteile aktiv gewinnen.
 


Übrigens ist anhand der CIPA Zahlen auch erkennbar, dass die Steigerung der Durchschnittspreise in den Europäischen Märkten keineswegs erfolgt, weil  Verbraucher sich bewusst für teurere, wertigere Kameras entscheiden würden.  Bereinigt man diese Daten nämlich um die Wechselkursentwicklung, wird deutlich, dass die Hersteller netto allerhöchstens stabile Durchschnittspreise erzielen.

Eine kostenlose Studie zur Entwicklung des globalen Fotomarktes werden wir im Herbst veröffentlichen. Wenn  Sie diese Studie direkt zugesandt haben möchten, senden Sie uns bitte eine entsprechende Mail an contact@mayflower-concepts.com.

*Neu ist, dass wir alle CIPA-Daten auf sog. „rollierende Jahre“ umrechnen. Die Zahlen eines jeden Monats zeigen also immer die Verkaufs- bzw. Produktionszahlen der letzten 12 Monate. Dadurch sind alle Saisonalitäten wie das Weihnachts- oder Urlaubsgeschäft in jedem Datensatz enthalten.

**Shipments nach Europa

Kameramarkt: Ist das Ende der Talfahrt in Sicht?

in Imaging

20. Juli 2015

Marketing

Werbewirkung ist keine Glaubensfrage

Warum regt sich eigentlich kein Kunde darüber auf, dass Agenturen gerne etwas empfehlen, was sie selbst nie tun?

Ich bin ganz sicher, irgendwo in Ihrem Büro findet sich die ein oder andere Ausgabe von Horizont oder w&v. Schauen Sie dort doch spaßeshalber einmal rein und suchen Sie Anzeigen Ihrer Agentur. Falls Sie nicht fündig werden, erweitern Sie die Suche auf Anzeigen irgendeiner Agentur. Das Ergebnis dürfte recht eindeutig sein: Sieht man von dringenden Suchanzeigen („kreativer Grafiker für Neukundengeschäft gesucht“) und den Adresseinträgen unter der Rubrik Dienstleister einmal ab, werden Sie kein (in Zahlen: Null) Inserat finden, welches für die Leistungen von Werbeagenturen wirbt. Keine halbe, keine ganze und insbesondere keine Doppelseite!

Vergebliche Suche nach Anzeigen von Agenturen

Das ist nach den Regeln der Kunst (und denen, die uns Agenturen immer als solche verkaufen wollen), doch sehr überraschend – schließlich finden sich die Marketingmedien eigentlich in jeder Werbeabteilung und erreichen damit praktisch alle potenziellen Kunden als Leser. Hohe Affinität mit der definierten Zielgruppe – praktisch ohne Streuverlust wöchentlich erreichbar, gemessen an den erzielbaren Honoraren zu sehr günstigen Kontaktpreisen und die Herstellung der Anzeigenvorlagen sollte Werbegestaltern ja auch leicht fallen – warum also schalten Agenturen dort (oder sonst wo) keine Anzeigen?

Sind Agenturen nicht überzeugt, dass Anzeigen wirken?

Die Antwort ist denkbar einfach: Sie sind nicht überzeugt, dass Anzeigen wirken. Trotz der phänomenal guten Mediawerte! Lassen wir uns das einen Moment auf der Zunge zergehen und auf uns wirken: Anders, als es in Beratungsgesprächen suggeriert wird, zeigen Agenturen durch ihr eigenes Verhalten, dass Werbung eben keineswegs immer wirkt – egal, wie viel Mediawirkung dahinter steckt.

Wenn nun aber die Kommunikationshersteller selbst so zurückhaltend sind, wenn es um den reinen Glauben an Werbewirkung geht, warum empfehlen sie dann eigentlich ihren Kunden – den Werbungstreibenden – dass man doch nur mehr von allem tun müsse, um wirksam zu sein? Mehr Mediageld, mehr Kreativität, mehr Anzeigen und Banner, mehr Social Media? Und warum verweigern sie andererseits so hartnäckig die Diskussion um erfolgsbasierte Honorare?

Werbung muss messbar sein!

Werbemaßnahmen müssen messbar sein – so wie Feuerwerk sichtbar. Wenn Sie am Silvesterabend eine Rakete zünden, die zwar startet, dann aber weder knallt noch leuchtet, hätten Sie es ebenso gleich bleiben lassen können. Sie wissen, dass Sie einen Feuerwerkskörper gestartet haben – aber niemand sonst. Ob das Ding nun abgehoben hat oder nicht, macht keinen Unterschied.

Deshalb haben Werbemaßnahmen ohne messbaren Effekt ebenfalls praktisch nicht stattgefunden. Diesen Teil der Marketingmaßnahmen kann man ebenso gut sein lassen. Das gilt für jede Webseite, deren Besucherverhalten nicht konsequent ausgewertet wird, für jede Facebook-Präsenz, für die vorher keine KPIs festgelegt wurden und für jede Anzeige, in welche man kein Response-Element eingebaut hat.

Kenngrößen für Marketingmaßnahmen

Wie will ich als Marketingleiter denn meiner Verpflichtung den Shareholdern gegenüber nachkommen, wenn ich nicht einmal sagen kann, ob die durchgeführte Maßnahme irgendeinen Beitrag zum Unternehmensziel geleistet hat? Und wie will ich denn in einem ISO9001-zertifizierten Betrieb kontinuierliche Verbesserung erreichen, wenn ich unwirksame Maßnahmen nicht von wirksamen unterscheiden kann?

Fazit: Ich finde, wir als Marketingverantwortliche täten gut daran, weniger nach immer neuen, noch kreativeren Kampagnen zu suchen und statt dessen ein bisschen mehr Zeit darin zu investieren, Kenngrößen für jede Marketingmaßnahme zu finden. Damit landet man zwar nicht so häufig auf der Titelseite der Fachmedien, sichert aber langfristig gesehen Arbeitsplätze – den eigenen natürlich eingeschlossen!

Werbewirkung ist keine Glaubensfrage

27. Mai 2015

Marketing

Hurra, wir haben schon 15 Facebook-Fans!

Nicht jeder Marketing-Hype ist sinnvoll. Und schon gar nicht für jedes Unternehmen. Manchmal macht es aber Sinn, die scheinbar gesetzten Standards zu hinterfragen. Ein Plädoyer für neue Verantwortlichkeiten im Marketing.

 

Während ich noch über einen Einstieg zu dieser Kolumne grübele, läuft auf meinem üblichen Radiosender ein kurzer Bericht über einen Besuch der Kanzlerin. Ziel ist diesmal jedoch kein Regierungschef in Ostasien, sondern eine mecklenburgische Fischbude namens ‚Fisch 13‘. Besonders erwähnenswert war für die Radiokollegen neben der dortigen Spezialität „Pflaumenaugust“ – ein Fischbrötchen mit Pflaumenmus – die eigene Facebook-Seite der Fischbude, die dank des auch von "BILD"-Online gemeldeten Kanzlerinnenbesuchs inzwischen schon mehr als 800 Fans hat.

Nun ist es unzweifelhaft eher selten, dass (a) die Kanzlerin oder ein ähnlich prominenter Besuch je einen Imbiss besucht, es (b) dort eine berichtenswerte Eigenart wie den Pflaumenaugust gibt, dies (c) von begleitenden Journalisten aufgegriffen wird und das Ganze so (d) zu einem nennenswerten medialen Echo führt. Ein Glücksfall also, der einem kleinen Imbiss sensationelle 800 Likes eingebracht hat – haben doch nach einer kurzen Stichprobe die meisten der Fischbuden-Kollegen auf Facebook in der Regel eher einstellige Abonnement-Zahlen aufzuweisen.

Virale Erfolge im Social Web purer Zufall?

Die Frage ist aber doch, ob der Küchenchef auf einen solchen Zufall hat setzen dürfen – oder ob das Engagement bei Facebook ohne diesen Zufall sich jemals irgendwie ausgezahlt hätte. Eine Frage, die sich eigentlich jedes Unternehmen stellen müsste, bevor und natürlich auch während es in den sozialen Netzen aktiv ist. Denn eines ist klar: Kostenlos ist so ein Engagement eben nicht, auch wenn man für Herrn Zuckerbergs Leistung selbst (noch) nichts bezahlen muss.

Neben der von Fachleuten so häufig angemahnten Qualität der Beiträge spielt nämlich auch ein quantitativer Aspekt eine entscheidende Rolle, wie ein schneller Blick in die üblichen Social-Media-Auswertungen zeigt: Wer zum Beispiel im Bereich junger Mode sein Geld verdient, erreicht mit etwa 50 hochwertigen, bebilderten Posts pro Woche seine Zielgruppe am besten, während die Branche der elektronischen Konsumgüter ab zehn Posts bereits zu viel des Guten tut. Mehr wäre dort Spam.

Social Media frisst Ressourcen

Social Media kostet also – und zwar nicht wenig: Die Seiten müssen hochwertig gepflegt werden – mit weit mehr Aufwand, als viele Unternehmen in die eigene Webseite stecken – und Interessenten müssen die Seite finden können. Wer nicht gerade Pflaumenaugust an die Kanzlerin verkauft, braucht dafür Mediagelder, die selbstverständlich keinen Deut kleiner sind als das Investment für eine normale, vergleichbare Webpräsenz.

Angesichts dieser Budgets ist es für mich umso verwunderlicher, dass trotzdem die sonst so allmächtigen Controller bei Aktionen in sozialen Netzwerken offenbar ihre Grenze finden. Wie sonst wäre zu erklären, dass Firmen Fans, Likes oder Follower feiern, die sich in seltener Zahl auf die Unternehmensseiten verirren, während gleichzeitig an anderer Stelle ein Vielfaches dieser Nutzer theoretisch direkt erreicht werden könnte.

Auf dem Bahnhof gibt es es mehr Kunden

Die Bahn beispielsweise hat auf Ihren beiden Hauptportalen (DB Bahn und Deutsche Bahn Konzern) auf Facebook zusammen etwa eine halbe Million Fans, von denen sie aber pro Post meist weniger als 1.000 aktivieren kann. Allein auf dem Hamburger Hauptbahnhof könnte die Bahn aber schon eine halbe Million Kunden direkt treffen – und zwar jeden Tag. Dabei ist dieses Verhältnis sogar noch gut: Einkaufszentren, die nach vielen Jahren gerade mal so viele Likes haben wie in drei Stunden das Zentrum besuchen – oder eben Fischbuden, deren eine Hälfte aller Likes von Familie und Freunden des Betreibers stammen.

Wieviel einfacher wäre es für viele Firmen, statt mühsam kleine Schritte auf Twitter oder Facebook zu machen, wenn man die existierenden Direktkontakte für das Eigenmarketing nutzen würde? Service- oder Hotline-Kontakte beispielsweise eignen sich ebenso hervorragend als Marketing-Tools wie Besucher und Gäste.

Social-Media-Engagement braucht klare, messbare Marketingziele

Facebook und ähnliche Medien sind – richtig eingesetzt – unzweifelhaft sinnvolle Maßnahmen, wenn die Marketingziele entsprechend definiert sind! Aber genau daran scheitert es leider immer wieder in den Unternehmen. Anscheinend ist die Hoffnung, selbst einen Angie-Fischbrötchen-Effekt erleben zu dürfen, einfach extrem verbreitet und die Mär vom sich selbst verbreitenden Nachrichten auf den sozialen Kanälen ist einfach nicht aus den Köpfen der Marketeers heraus zu bekommen.

Also, liebe Controller: Bitte macht Euch doch schlau und werft mehr Blicke auf die Social-Media-Effizienz Eurer Marketingabteilung. Nicht jeder Follower ist das Budget wert, was dort investiert wird.

Und, liebe Unternehmensspitze: Bitte denkt nochmal darüber nach, ob der Kundenservice oder die Telefonhotline wirklich von Technikern geführt werden muss. So mancher Service-Wüste stände ein bisschen mehr Marketing bestimmt auch gut zu Gesicht. Und effizienter für Ihr Budget könnte dieser Tausch dann auch noch sein.

Hurra, wir haben schon 15 Facebook-Fans

31. März 2015

Marketing

Digital Natives – das neue Verbraucher-Phantom

Nichts ist so flexibel wie die Zielgruppendefinition – je nachdem, welche Agentur man fragt. Und täglich kommen neue, kreative Bezeichnungen hinzu – wie etwa 'Digital Natives'. Dann wird es auch noch persönlich...

 

Das kennen Sie bestimmt auch: Nach zwei Jahren ist mal wieder ein neues Smartphone und der Gang zum Lieblingsanbieter fällig, wo ein junger Vertriebsexperte das obligatorische Verkaufsgespräch beginnt, welches ohnehin immer in neuen Tarifen endet (warum eigentlich?). Nur, dass Sie vom ersten Teil des Gespräches eigentlich kein Wort verstehen. Aus dem Mund des eloquenten Tarifberaters entströmen so viele neue, unglaublich technisch klingende Worte, die Sie in den folgenden Minuten alle erst einmal kennenlernen müssen. Und jeder dieser Begriffe bezeichnet etwas, was nicht nur ‚total cool‘ ist, sondern Ihr altes Handy definitiv auch nicht kann.

Wenn Sie diese Erfahrung nachvollziehen können, dann sind sie offensichtlich kein ‚Digital Native‘, also einer, der jedes neue Handy schon durch den Verkaufskarton hindurch bedienen kann und sich durch den Katalog der Online-Begriffe schneller bewegt als Sie lesen können.

Begriffswildwuchs im Marketing!

Und damit sind wir auch schon beim Thema, denn auch das Marketing kennt diesen Begriffswildwuchs nur zu gut. Schicke neue Worte, die eigentlich nur sagen sollen ‚ich weiß was, was du nicht weißt‘. Digital Native ist so ein Begriff. In den technischen Produktsegmenten dürfte es kaum einen Marketingleiter geben, der von seinen Web-Agenturen nicht schon Referate zum unterschiedlichen Umgang der Natives oder Immigrants mit den neuen Techniken dieser Welt gehört hätte.

Nun habe ich damit ein grundsätzliches Problem: Ich liebe Technik und bin trotz meines Alters (im Marketingsprech bin ich ‚Baby Boomer‘) häufig schneller und tiefer mit neuen Techniken vertraut als die meisten Natives. Und so empfand ich schon immer die Abgrenzung Digital Natives von den Immigrants und Ignorants als diskriminierend, wenn dadurch das Gefühl vermittelt werden sollte, diese Generation würde völlig anders denken, als der Rest der Menschheit – Entscheider auf der Markenseite eingeschlossen.

Alles eine Frage der Technik – oder der Digital-Native-Sozialisation???

Aber auch Mitleid für die Generation unserer Kinder kommt bei mir auf, wenn, wie auf einem Kongress im letzten Jahr geschehen, ein Keynote-Speaker behauptet, zukünftige „Native“-Führungskräfte wären so Multitasking-fähig, dass sie Freigaben für Unternehmens-Postings auf den sozialen Netzwerken eben mal (und kontinuierlich) neben ihrer eigentlichen Arbeit erteilen könnten. Burnout, ick hör dir trapsen!

Fakt ist: der heutigen „jungen“ Generation fällt der Umgang mit komplexen technischen Produkten wie einem Smartphone viel leichter als der damals jungen Generation vor zehn Jahren. Das liegt aber nicht an einem neuen Technik-Gen der aktuellen Generation – sondern daran, dass man heute – Apple sei Dank! - HighTech mit einem Fingerwisch intuitiv bedient, während man noch vor zehn Jahren Geduld, Ausdauer und ein gerüttelt Maß an Vorwissen brauchte, um selbst ein ganz normales Handy voll durchschauen zu können.

Dass der spielerische Umgang mit Hardware, Apps und Web ein technisches Thema ist und keine Generationenfrage, spürt man immer spätestens dann, wenn mal etwas nicht funktioniert: Dann sind die Problemlösungsraten in den Generationen eher normalverteilt, wie man an der PISA Studie 2014 wieder gut erkennen konnte. Und darüber, dass sich auch das Medienverhalten dieser Generation nicht wesentlich von anderen unterscheidet, gibt es sogar bei Wikipedia schon eine lange Liste entsprechender wissenschaftlicher Literatur zum Nachlesen.

Einteilung in Digtal Native, Immigrant und Ignorants ist diskrimierend

Was bleibt von dem Konzept der Digital Natives dann eigentlich noch übrig? Die Einteilung in Natives, Immigrants und Ignorants ist also nicht nur diskriminierend und überfordert die Natives mit den daran anknüpfenden Erwartungen, sondern führt vor allem das Unternehmensmarketing auf völlig falsche Gleise. Wer sein Marketing auf einen scheinbar ganz anders denkenden Teil der neuen Menschheit ausrichtet, läuft Gefahr, die Menschen hinter diesen Begriffen zu vergessen.

Sollten wir uns deshalb an dieser Stelle nicht fragen, ob wir das, was wir als Marketeers im Unternehmen bewirken können, mit solchen pseudowissenschaftlichen Phantomen wirklich erreichen?

Digital Natives – das neue Verbraucher-Phantom

12. Februar 2015

Marketing

So teuer sind Powerpoint-Marketing-Mythen

Sind Digital Natives ein Powerpoint-Marketing-Phantom? Big Data – nur ein schickes Schlagwort? Marketeers sollten kritischer mit ihren Arbeitsmethoden umgehen

Wie schön war Markenarbeit vor Erfindung der elektronischen Medien! Alles war überschaubar, die Methoden wurden zwar stetig besser, blieben aber im Grunde immer dieselben und jeder hatte im Konzert der Markenkommunikation eine genau definierte, abgrenzbare Rolle. Und dann kam das Internet. Kaum ein Unternehmensbereich hat sich seither so stark verändert wie das Marketing. Immer schneller scheinen die Zyklen zu werden, in denen neue Methoden, neue Klassifizierungen und neue Methoden der Kundenansprache den Weg durch die Marketingmedien machen.

Jedes Jahr eine neue Marketing-Sau, die durchs Dorf getrieben wird

Seit der Erfindung von Excel und Powerpoint scheint jede noch so banale These in Zahlen und Charts gegossen und im Marketing leider gerne weiterverwendet zu werden. Und dabei sprechen wir keineswegs von den Auswertungen des hauseigenen Praktikanten, sondern von durchaus großen, weit verbreiteten Tools und eigentlich großen Namen in der Anbieterszene.

Mal ehrlich: Wissen Sie aus dem Effeff, wie die Reichweitenquoten im TV erhoben werden oder wie der Begriff 'Reichweite' in der Media-Analyse genau definiert ist? Benutzen Sie ein Markenbewertungssystem und kennen Sie auch die Details dessen Methodik? Grämen Sie sich nicht, diese Fragen kann kaum ein Marketeer wirklich spontan beantworten. Denn wir verlassen uns – häufig blind – im Marketing auf die Richtigkeit dieser Methoden und Analysen und basieren darauf Budgetentscheidungen in Milliardenhöhe: Achtundzwanzig Milliarden Euro wurden laut Nielsen Marktforschung im Jahr 2014 in Deutschland alleine für Mediaspendings ausgegeben. Dazu kommen die nicht erfassten Kosten für Webauftritte, E-Mail-Marketing, POS, Messen etc. Am Anfang solcher Investitionen stehen Markenbewertungssysteme, Zielgruppenbeschreibungen und Affinitätsberechnungen in Mediaplänen, deren Validität jedoch kaum jemand je hinterfragt und kritisch wissenschaftlich prüft.

Dabei ist Zweifel leider häufig sinnvoll. Da präsentieren renommierte Agenturen ein wenig Wahrnehmungspsychologie in schöne Grafiken gegossen als neue Erkenntnisse im Neuromarketing. Aus bekannten Statistikfehlern (Gesetz der kleinen Zahl) werden besondere Affinitäten für Special Interest Medien errechnet. Die Preise für Werbung im Vorabendprogramm ergeben sich gerne auch mal aus ganzen fünfzig gemessenen Haushalten. Und Zahlen darüber, wie vielen Werbekontakten jeder von uns täglich ausgesetzt ist, hat im Marketing jeder schon mal gehört – aber noch nie hat jemand diese Zahlen wirklich berechnet – geschweige denn nachgemessen. Wie sollte das auch funktionieren? Läuft da ein Marktforscher neben dem Konsumenten und filmt dessen Wahrnehmung? Alleine die Vorstellung, wie dieser Forscher abends vor dem PC sitzt und Kontakte auszählt, lässt mich schmunzeln.

Wer im Marketing mit Datenmüll beginnt, produziert Datenmüll

Aber im Ernst. Manchmal wünschte ich mir, man könnte die Erheber und Präsentatoren solchen Datenmülls wie Studenten im Physikpraktikum mit Punktabzug zum Überdenken ihres Angebotes bewegen: Wer dort achtstellige, scheingenaue Zahlen aus dem Taschenrechner als Fakten deklariert, darf gleich noch einmal von vorne beginnen. So lernen junge Physiker gleich am Anfang ihrer Karriere, dass man die wissenschaftlichen Grundlagen der eigenen Arbeit stets gut prüfen sollte. Ein Prinzip, dass auch dem Marketing gut zu Gesicht stünde, denn fehlerbehaftete Methoden stellen hier ein ebenso betriebs- wie volkswirtschaftliches Problem dar: Wer vorne mit Datenmüll anfängt, bei dem kann hinten nun einmal nichts Sinnvolles rauskommen – GIGO – Garbage in Garbage out!

Vielleicht können wir noch etwas von Physikern lernen: Wenn bei denen ein Modell neu vorgestellt wird, wird es öffentlich von allen Seiten geprüft und gerne auch zerrissen. Erst nach dieser Feuerprobe darf dieses Modell von seriösen Wissenschaftlern angewendet und zitiert werden. Und sobald es einen einzigen Fall gibt, bei dem das Modell versagt, wird es zu den Akten gelegt. Die Kollegen dort sind gnadenlos – und eben Wissenschaftler!

So teuer sind Powerpoint-Marketing-Mythen

15. Januar 2015

in Imaging

Imaging

'Es sind nicht die Smartphones!'

Warum der traditionelle Fotomarkt wirklich kollabiert - und wie man effektiv gegensteuern könnte.

Präsentation von Mayflower Concepts auf der Consumer Electronic Show (CES) and PMA, Las Vegas, Januar 2015

Die Diskussion dreht sich immer nur um eines: Smartphones sind die Ursache für den drastischen Niedergang des traditionellen Fotomarktes. Überraschenderweise hat aber bislang niemand diese These mit verläßlichen Verkaufszahlen überprüft.

Dank der globalen Marktdaten, die wir von der GfK (Gesellschaft für Konsumwirtschaft) für Smartphones und MP-3-Player erhalten haben, konnten wir erstmals die Entwicklung der verschiedenen Produktgruppen über zehn Jahre hinweg analysieren.Die Ergebnisse sind so überraschend wie hoffnungsvoll:

Denn unsere Analysen zeigen, Hersteller, Serviceanbieter und Handel müssen keineswegs tatenlos zusehen, wie der  Fotomarkt immer weiter schrumpft!

Hier finden Sie unsere Präsentation , die wir auf der CES in Las Vegas vorgestellt haben als PDF:

 Falls Sie Mozilla Firefox benutzen, kann es sein, dass das PDF aufgrund eines Bugs in Firefox sich nicht öffnet. Laden Sie dann die Datei auf Ihren Rechner und öffnen Sie sie mit dem Adobe PDF-Reader.

Und um die Erläuterungen vollständig nachvollziehen zu können, gibt es hier die Präsentation in voller Länge als Video,  CES 2015 , Las Vegas (50min):

 

 

Ursache sind nicht die Smartphones

in Imaging

6. November 2014

Marketing

Kreative Werbung – Erfolgsfaktor oder Denkfehler?

Kolumne auf 'Springer for Professionels' (www.springerprofessionel.de)

Je ausgefallener die Kampagne, um so höher der Gesprächswert. Zumindest in der Branche. Einen Nachweis, dass kreative Werbung besser wirkt, hat aber noch niemand erbracht.

Im Oktober veröffentlichte das Marketingmagazin "Werben & Verkaufen" unter der Headline "Was muss sich ändern, damit der Effie seinem Ruf als Werbe-Oscar gerecht wird?" eine Umfrage, die die Redaktion in der Marketingbranche durchgeführt hatte. Zwei Aspekte sind daran zu hinterfragen.

Ein Aspekt sind die Antworten, die "W & V" auf diese Frage bekommen hat. Denn fast alle Befragten betonten, dass die Erfolgskontrolle der zu beurteilenden Maßnahmen transparenter gestaltet werden müsste. Nur so könne sichergestellt werden, dass es tatsächlich eine nachweisbare Wirksamkeit war, die Kampagnen in die Ausscheidung gebracht hat. Und nicht etwa nur die gute Rhetorik des Marketingleiters. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn man die Sinnhaftigkeit von solchen Awards grundsätzlich akzeptiert.

Kreativität statt Controlling

Sehr spannend fand ich jedoch die Antwort von Roland Bös, Geschäftsführer von Scholz & Friends und einer der beiden Agenturnetzwerk-Chefs, die zu Wort kamen. Bös wünschte sich mehr kreative Begeisterung und nachvollziehbare Jury Quotes. Mehr kreative Begeisterung – von Erfolgskontrolle im ganzen Statement kein Wort.

Haben Sie schon einmal in irgendeinem Fachmedium gelesen, dass jemand einen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen der Kreativität einer Anzeige, eines TV-Spots oder eines Newsletters und deren jeweiligem Erfolg nachweisen konnte? Wohl kaum. Denn diesen Nachweis hat bislang niemand führen können. Zumal ein einfacher Blick zu Amazon, Ebay, Aldi oder Lidl zeigt, dass erfolgreiche Kommunikation eben keineswegs immer kreativ sein muss. In diesen Marketingabteilungen werden Prospekte und Webseiten so genau am Erfolg gemessen, dass wir davon ausgehen können, dass Werbung ohne überbordende Kreativität, sich dort ganz offensichtlich bewährt hat.

Erfolgreiche Werbung ist keinesfalls immer kreativ

Wenn es also einerseits erfolgreiche, aber unkreative Werbung gibt, es anderseits zudem keinen wissenschaftlich Nachweis einer Kausalität gibt, warum ist dann die Kreativität so hoch angesehen im Marketing? Darauf gibt es zwei einfache Antworten: Zum einen macht kreative Kommunikation denen, die sie verantworten, einfach mehr Spaß. Und sie bringt auch gefühlt größere Erfolgserlebnisse. Stellen Sie sich nur einmal vor, welchen Unterschied es macht, wenn Sie das Ergebnis Ihrer Arbeit in ihrem privaten Umfeld zeigen. Wie ist die Reaktion, wenn Sie eine intelligente, kreative Anzeige vorzeigen? Und wie, wenn Sie einen Tageszeitungsprospekt im Stile der Aldi-Werbung präsentieren?

Zum anderen unterliegen wir in unserer sehr abgeschlossenen Branche alle eines Wahrnehmungsfehlers, den Psychologen den Availability Bias nennen, den Verfügbarkeitsfehler. Die Gelegenheiten, bei denen wir uns nämlich ein Gesamtbild unserer Marketingbranche machen können, sind sehr eingeschränkt: Kongresse, Award-Verleihungen, Fachzeitschriften. Diese Medien leben aber von den Informationen, die ihnen von Marken und Agenturen zur Verfügung gestellt werden. Wollten wir uns anhand dieser verfügbaren Informationen darüber ein Bild machen, welchen Einfluss Kreativität auf Erfolg hat, müssten also auch von Kampagnen lesen, die nicht erfolgreich waren. Für einen richtigen Eindruck müssten wir sogar sooft von solchen nicht-erfolgreichen Kampagnen lesen, wie sie anteilsmäßig auch tatsächlich vorkommen.

Tun wir aber nicht. Denn berichtet wird nur über interessante (=kreative) Kampagnen, die entweder neu (also noch ohne messbares Ergebnis) oder irgendwie erfolgreich sind. Deswegen nehmen wir nur kreative Kampagnen, die gelegentlich sogar etwas bewirkt haben, richtig wahr. Und durch die fehlenden Informationen zu den anderen Marketingmaßnahmen entsteht bei uns allen der Eindruck, kreative Werbung wäre erfolgreicher.

Solange also Kreativität nicht nachweislich zu mehr Erfolg führt, sollten wir in der Marketingbranche dann nicht etwas bescheidener sein und auf den einen oder anderen Award verzichten? Sollte nicht der erfolgsbasierte Effie solange sogar der einzige Award sein, den wir als seriöse Auszeichnung akzeptieren?

 

 

Kreative Werbung – Erfolgsfaktor oder Denkfehler?

1. Mai 2014

in Imaging

Ist der Fotomarkt noch zu retten?

Offener Brief an den Photoindustrie-Verband, die CIPA und die PMA

 

Wenn die Kameraverkäufe des Fotomarktes weltweit zwischen 2010 und 2014 um fast zwei Drittel zurückgehen, dann müssen bei den Verantwortlichen alle Alarmglocken läuten. Aber tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, so richtig wäre die bittere Wahrheit noch nicht angekommen.

In einem offenen Brief an den Photoindustrie-Verband, an die japanische CIPA (Camera & Imaging Product Association) und die PMA (Photo Marketing Association) ruft Heino Hilbig, Geschäftsführer von Mayflower Concepts und langjähriger Marketingverantwortlicher in der Fotoindustrie dazu auf, sich pro-aktiv mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen. In seinem Brief fordert er übergreifende Initiativen der großen Fotoverbände.

Den vollständigen Brief an die Verbandsvorstände finden Sie hier.

 

Offener Brief an den Photoindustrie-Verband

in Imaging

1. Februar 2014

Befreit das Marketing!

Heino Hilbig schreibt in BRAND EINS, Ausgabe im Februar 2014

 

Wer ist schuld, wenn Werbung ihre Ziele nicht erreicht? Die Agentur, natürlich. Die Mediaagentur, vielleicht. Ganz sicher aber der Marketingchef, der falsch gebrieft und ausgewählt hat – oder ist es vielleicht ganz anders? Einsichten eines Praktikers.

Wer für eine Marke verantwortlich ist, will nur eines: Umsatz und Gewinn steigern. Ob das durch Schreien, Flüstern, Amüsieren oder Ärgern geschieht, ist ihm erst einmal egal. Die viel beschworene Kreativität? Ist im Marketing nur die Ersatzwährung. Wie ließe sich sonst der Erfolg der öden, aber auf den Quadratzentimeter genau ausgewerteten Flyer der Lebensmitteldiscounter erklären?

1. Das Interesse der Agentur

Agenturen haben auf die Frage, was zu tun ist, meist nur eine Antwort: mehr! Mehr Mediageld, mehr Klassik, mehr Web, mehr Social Media – je nachdem, ob man eine Media-, Klassik-, Web- oder Social-Media-Agentur befragt. Ich habe in all den Jahren als Marketingleiter nie empfohlen bekommen, irgendetwas weniger zu tun. Überrascht das? Natürlich nicht. Schließlich haben auch Agenturen ein Interesse an der Umsatzsteigerung – der eigenen.

Was aber tun, wenn das eigene Budget „immer mehr“ nicht hergibt? Wenn man die größte Plakatkampagne Deutschlands (von Volkswagen, für 25 Millionen verkaufte Golfs, Januar 2007) nicht mit der allergrößten jemals durchgeführten Außenwerbung kontern kann (Einführung des Toyota Auris, Februar 2007)? Dann kommt die Geheimwaffe Kreativität ins Spiel. Dann lernen Autos fliegen oder über Hochhäuser zu springen (Opel Antara, Nissan Qashqai, 2007) – das bringt allerdings nichts mehr, wenn es alle machen. Da geht es den Marken wie den niederländischen Blumenverkäufern auf dem Hamburger Fischmarkt: Wenn man überall laute, lustige Anmachsprüche mit holländischem Akzent hört, hört keiner mehr hin.

2. Die reine Lehre

Schon hundert Jahre alt und noch immer gültig: die AIDA-Formel. Sie weist den Weg zum Mehrumsatz: Erst muss man die Aufmerksamkeit des Kunden erregen (Attention), dann sein Interesse wecken und daraus einen Wunsch machen (Interest und Desire) – schließlich den Kaufimpuls auslösen (Action). Klingt geradezu narrensicher, in der Theorie.

Das Problem beginnt aber schon damit, dass sich Agenturen gern auf das erste A konzentrieren. Sie wollen Aufmerksamkeit und hoffen, sie mit originellen Ideen zu wecken. Das Ergebnis ist aber häufig nur Übertreibung, Lautstärke, Schock und vor allem Penetranz. Als Markenverantwortlicher aber will ich den Kauf und habe ernste Zweifel, ob der Lärm zielgenau zur Action führt. Schließlich entstehen Sympathie und Desire selten durch Anschreien.Dass Verbraucher die TV-Werbepausen gern alternativ nutzen und sich ihr Internet durch Ad-Blocker sauber halten, spricht für sich. Dass einige Web-Agenturen sich damit brüsten, sie hätten einen Trick gefunden, wie man eben diese Pop-up-Blocker umgehen kann, leider auch.

Wie gingen wir mit dem „immer schräger und immer lauter“ um, gäbe es in den Fachmedien nicht nur lobpreisende Artikel über die Kreativleistungen der Agenturbranche, sondern echte, objektive Statistiken über den Werbeerfolg solcher Kampagnen? Dass Lautstärke zumindest nicht der einzige Weg zum Erfolg ist, zeigen Marken, deren Bekanntheit und Image sich ganz ohne Werbekampagnen entwickelt haben, Zara zum Beispiel, Linux, Viagra oder The Body Shop.

3. Objektive Kriterien

Aber solche Statistiken fehlen, wie es überhaupt mit belastbaren Daten im Marketing nicht annähernd so weit her ist, wie es Schlagworte wie Big Data vermuten lassen. Nehmen wir die Kundendaten, die Unternehmen geradezu manisch sammeln und gern für die schnelle Marktforschung verwenden. Das Problem: Sie haben Menschen befragt, die der Marke wohlwollend genug gegenüberstehen, um sich registrieren zu lassen. Wer daraus dann Schlüsse auf die Nichtkäufer zieht, unterliegt dem, was die Naturwissenschaft einen „systematischen Fehler“ nennt. Das ist, als würde ein Fischhändler seine Kunden befragen, ob sie gern Fisch essen (Ergebnis: 100 Prozent!) und daraus folgern, dass die Gesamtbevölkerung seine Zielgruppe sei. So blöd ist doch kein Fischhändler? Stimmt. Andere leider schon.

Genauso wenig helfen viele der ausgefeilten Zielgruppenanalysen, die zu jedem professionellen Briefing gehören – obwohl zum Beispiel die Soziodemografie sich schon vor Jahrzehnten als untauglich erwiesen hat, Einstellungen und Kaufwünsche abzubilden. Mein Lieblingsbeispiel: männlich, britischer Staatsbürger, 65 Jahre, Einkommen über eine Million Britische Pfund jährlich, einmal geschieden. Zwei typische Vertreter dieser Zielgruppe: Prinz Charles und der Rocksänger Ozzy Osbourne. Welche Anzeige sollte es schaffen, diese beiden Herren gleichermaßen zu interessieren?

Ein letztes Beispiel: die Werbe-Reichweite von Printmedien. Sie gibt an, wie viele Leser etwa die »Bild«-Zeitung erreicht, wie viele sie also mindestens einmal geblättert haben (Lesen ist kein zwingendes Kriterium). »Bild« hat eine Auflage von knapp drei Millionen und eine Reichweite von etwa 17 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, also etwa zwölf Millionen Menschen – viermal so viel wie Käufer. Die Zahl sagt uns also, dass jeder »Bild«-Käufer sein Exemplar an mindestens drei Nichtkäufer weiterreicht – tut er das nicht, muss ein anderer entsprechend mehr Mitleser finden, wenn die Statistik stimmen soll.

Wer so etwas erhebt? Die Agma, also die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse, die 40 000 Menschen regelmäßig befragt, ob sie – vereinfacht dargestellt – ein bestimmtes Medium in letzter Zeit mal in der Hand hatten. Die Ja-Stimmen rechnet sie dann auf die Gesamtbevölkerung hoch – das ist die Reichweite. Übrigens rangiert »Bild« mit drei Mitlesern in der Leser-pro-Exemplar-Hitliste der Media-Analyse 2013 weit hinten, ebenso wie die »ADAC Motorwelt«, die – statistisch gesehen – so gut wie nicht weitergegeben wird: Ganz vorn steht »Ein Herz für Tiere« mit 28 Lesern pro Ausgabe.

4. Der Anfang vom Ende

Warum das Marketing trotzdem auf solche Zahlenspielereien und Rankings setzt? Weil es erkleckliche Summen ausgibt und dem Finanzvorstand dafür gute Gründe liefern muss. Als Markenverantwortlicher war ich zum Beispiel angehalten, Agenturen compliance-konform durch Vergleichsangebote auszuwählen. Die Methode stößt aber ganz schnell an Grenzen: „Sehr geehrte Firma, bitte erstellen Sie uns ein detailliertes Angebot für eine Marketingkampagne, die unseren Umsatz in den kommenden zwölf Monaten um zehn Prozent steigern wird.“

Solche objektivierbaren Auswahlmethoden mögen für Spediteure oder PC-Lieferanten ein gangbarer Weg sein – für die Auswahl von Markenagenturen sind sie einfach nur Unsinn. Um den Kollegen der internen Revision dennoch Strukturdaten zu liefern, die ihren Richtlinien genügen, habe ich bei der Auswahl der Pitch-Teilnehmer auch oft genug auf Feigenblätter wie Kreativ-Rankings zurückgegriffen. Sinnvoller wurde die Auswahl dadurch nicht.

Aber auch auf anderen Ebenen hat der Rechtfertigungsdruck auf die Abteilung mit einem der größten Unternehmensbudgets enorm zugenommen. Je komplexer Marketing wurde, desto sehnsüchtiger verlangten dem Shareholder Value verfallene Vorstände nach Daten, verlässlichen Prognosen und einem Ende des ewigen Werbedilemmas mit den 50 verpulverten Prozent. Sie wollen Zahlen, Daten, Fakten und – vor allem – dadurch Sicherheit, gleich wie sinnfrei das Material in vielen Fällen ist.

Über die wichtigste und immer noch valide Marketing-Erkenntnis ist mit ihnen nicht zu reden – dass sich der Konsument aller Marktforschung zum Trotz noch immer hartnäckig weigert, sich vorherberechnen zu lassen. Da helfen übrigens auch die elektronischen Medien nicht: Das Öffnen einer E-Mail zeigt schließlich so wenig wie das Aufgehen einer Ladentür, welcher Teil des Marketings gewirkt und durch welchen Impuls der Verbraucher das Angebot schließlich angenommen hat. Das Einzige, was man sicher weiß: Hat der Kunde erst mal einen Newsletter abonniert, ist die Kernaufgabe des Marketings – Attention, Interest und Desire – erledigt. Wenn er dann auch noch bestellt, ist auch die Action erreicht – eine geradezu sensationelle Erkenntnis aus all den Daten.

5. Ein neuer Anfang

Wie man aus diesem Teufelskreis ausbricht? Indem man den Mut aufbringt, sich gegen die pseudowissenschaftlichen Standards der Kommunikationswirtschaft zu entscheiden und für Erfahrung und Intuition. Auch wenn sich das nur bedingt mit Zahlen rechtfertigen lässt.

Mal ehrlich, würden Sie massiv in einer Branche investieren, die seit Jahren von einem großen Player dominiert wird? Mit einem Marketingkonzept, das so ungewöhnlich ist, dass es noch keine Erfahrungswerte gibt? Mit Produkten, die für sich allein keine Revolution auszulösen versprechen? Genau das haben Entscheider mit dem Apple iPhone oder wir bei Casio mit der Armbanduhr G-Shock getan – in beiden Fällen mit Erfolg. Hätte man den voraussehen können? Wohl kaum – dagegen sprachen alle Zahlen. Hätte das auch schiefgehen können? Aber sicher!

Der Mut, Misserfolge in Kauf zu nehmen, macht Marketing besser als Lautstärke und Zahlenkolonnen. Aber das müssen auch Vorstände und Geschäftsführer verstehen und zulassen, dass sich die Beziehung zwischen Kunden und Unternehmen in Ruhe entwickeln kann. Denn aller Forschung zum Trotz: Die Messwerte für erfolgreiche Kommunikation sind genauso wie vor 20 Jahren – Glaubwürdigkeit, Akzeptanz bei den Mitarbeitern, den Kunden und im Handel. Schreien hilft da nicht. ---

Befreit das Marketing Heino Hilbig in Brand Eins

4. Dezember 2013

in Imaging

Dying market 'Photography'? A call to action to CIPA, Photoindustrie-Verband and PMA

Presentation held at Gfk Imaging Summit 2013

The imaging market is in one of the biggest crisis ever: The market for cameras is shrinking with double digit percentage year on year and - according to actual CIPA - may reach this year only 50% of what we saw just four years ago.

How to stop this? How to turn the market back to something, which inspires consumers, enhances the market and satisfies trade and manufacturers again?

Find here the presentation video.

If you like to read the presentation itself, please find it here.

In case you are using Mozilla Firefox, the PDF may not be shown correctly due to a bug in Firefox. Please download the file and open it using Adobe PDF-Reader.

 

 

Dying market Photography: A call for Action to CIPA, Photoindustrie-Verband and PMA

in Imaging

9. Oktober 2013

Endlich möglich: Beschwerdebriefe der Konkurrenz lesen

Monitoring - Das ungenutzte Potential in sozialen Netzwerken

Kaum ein Thema bewegt Unternehmen heute so wie die Social Media Präsenz. Die Eigene, wenn man eine hat - und die der anderen, wenn man (noch) keine hat. Mit großem Aufwand unterstützen Unternehmen  den Dialog mit dem Verbraucher. Leider nicht selten mit bescheidenem Erfolg, wie schon ein einziger Besuch in den öffentlich zugänglichen Netzwerken schnell zeigt. Dabei ließen sich solche Misserfolge leicht umgehen, wenn Unternehmen sich vor dem ersten aktiven Engagement entscheiden könnten, aktiv zuzuhören

Zuhören vor dem ersten eigenen Beitrag

Nicht wenige Unternehmen starten Ihre Social Media Präsenz, ohne einen systematischen Beobachtungsprozess aufgesetzt zu haben. Dabei reicht es keineswegs, nur die eigene facebook-Seite, den Twitter-Account oder den eigenen YouTube-Kanal zu beobachten, denn Menschen diskutieren und sagen ihre Meinung dort, wo sie es für richtig halten – und das muss nicht der eigene Online-Auftritt sein!

Die großen Shit-Storms etwa werden gerne zitiert, wenn sie auf den Unternehmensseiten selbst stattfinden. Allerdings starten diese Aktionen in der Regel an ganz anderen Plätzen im sozialen Netz. Deshalb ist es absolut notwendig, sich ein System aufzubauen, mit dem Informationen, die über das eigene Unternehmen oder die eigene Marke verbreitet werden, systematisch gefunden werden können.

Menschen reden über Ihre Marke - nur häufig eben nicht auf Ihren Seiten

Zuhören und mitlesen  hat aber noch einen weiteren Vorteil. Denn es wird natürlich nicht über das eigene Unternehmen im Netz geredet, sondern auch über die Mitbewerber. Noch vor wenigen Jahren wäre es eine Wunschvorstellung jedes Marketing-Strategen gewesen: Einmal mitlesen können, wenn in der Firmenzentrale des Mitbewerbers die Beschwerdebriefe geöffnet werden. Es gibt kaum eine einfachere Methode, als die Schwachstellen des Konkurrenten auszumachen, als die Meinung der Verbraucher genau zu lesen.

Seit es die sozialen Netze gibt, haben Unternehmen die Möglichkeiten, diese Chance zu nutzen.

Kostenlose Tools erleichtern den Einstieg.

Schon mit einfachen, kostenlosen Tools wie z.B. SocialMention.com oder den diversen Google-Analysen lassen sich recht einfache Prozesse schaffen, mit denen die wichtigsten Ergebnisse erfasst und sogar gemessen werden können. Allerdings bezahlt man diese Low-cost-Lösungen immer mit einem erheblichen Mehraufwand an eigenem Auswertungsaufwand.

Gerade für aktive Unternehmen bieten sich daher professionelle Tools wie z.B. MediaSonar an, die für wenige Hundert Euro die komplette Auswertung, meist schon in Form grafischer Charts mit beinhalten.

Eine Übersicht von freien und kommerziellen Tools werden wir demnächst hier vorstellen.

Grundsätzlich stellt sich jedoch immer die Frage, welchen messbaren Mehrwert eigene Aktivitäten in den sozialen Netzwerken bringen soll. Ohne eine sinnvolle Beobachtung des Wettbewerbsumfeldes lässt sich diese Frage keinesfalls beantworten.

 

facebook Monitoring: Zuhören ist wichtiger als posten!

7. Oktober 2013

Bares Geld sparen durch optimierte Prozesse im internationalen Marketing

Viele Unternehmen verschenken noch immereinen erheblichen Teil ihres Marketing-Budgets

 Mal Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt Ihre Marketing-Prozesse grundlegend überprüft und angepasst?

Die Arbeitsweise im Marketing hat sich in den vergangenen 15 Jahren ganz massiv verändert: Neue Kanäle (web, CRM, soziale Netzwerke, mobile Marketing etc), neuen Methoden und neue Märkte erfordern immer wieder  neue Workflows für Mitarbeiter und Agenturen.

Tatsächlich sind viele dieser Workflows aber einfach gewachsen. Im besten Falle hat man einen vorhandenen, funktionierenden Workflow einfach kopiert und den neuen Anforderungen entsprechend angepasst.

Genau in diesem organischen Wachstum der Prozesse jedoch liegt das größte Potential für teilweise massive Budget-Optimierungen.

Potential für Einsparungen:  von 100.000 € bei mittelständischen Unternehmen bis hin zu mehreren Millionen Euro jährlich*

Mit einer Modellrechnung basierend auf realen Daten hat Mayflower Concepts jetzt ermittelt, dass je nach Art des Angebotes in mittelständischen Unternehmen sechsstellige - in Konzernen mit hoher Produktfluktuation sogar siebenstellige - Beträge jährlich einsparen kann. Die Höhe der *Einsparpotentiale hängt in erster Linie von der Frequenz ab, mit denen das Unternehmen Werbemittel, Webseiten, Bedienungsanleitungen etc in den verschiedenen Sprachen produzieren muss. Aber auch die Zahl der zu bedienenden Märkte ist ein wesentlicher Faktor.

Internationalisierung ist selten ein konzipierter, optimaler Prozess

Das Geheimnis dieser Einsparmöglichkeiten liegt dabei tatsächlich in der Hinterfragung der Ausgangslagen, dem Re-Design der Prozesse sowie der Einführung neuer Methoden zu Lokalisierung.

So ist z.B. die Europäisierung/Internationalisierung gerade in den letzten 10 Jahren extrem gewachsen. Kaum ein Unternehmen, welches nicht versucht, möglichst viele Marketing-Prozesse zu zentralisieren getreu dem Motto ‚es ist billiger etwas einmal international zu erfinden statt 30 mal lokal‘.

Bei der Übernahme des ersten ausländischen Marktes durch einen Marketing-Bereich werden Prozesse für die neuen Aufgaben (Ausgabe der Werbemittel auch in der zweiten Landessprache) entwickelt. Bei allen nachfolgenden Ländern werden diese Prozesse dann häufig einfach kopiert.

Das Ergebnis sind nicht selten seitenweise lange Excel-Tabellen, mit denen Übersetzungs- und Produktionsprozesse gesteuert werden müssen.

5 Fragen, an denen Sie erkennen können, ob es Sparpotential bei Ihnen gibt:

 1. Können Sie nicht sofort mit einem Blick auf Ihre Finanzauswertung den Gesamtaufwand im Bereich internationaler Marktingmittel nennen?

2. Führen Ihre Mitarbeiter Excel-Listen, um die Landessprachen-Verwaltung der Werbemittel zu steuern?

3. Bitte multiplizieren Sie die Anzahl der Länder, die Sie bedienen müssen mit der Anzahl der jährlichen Werbemittel, webseiten, Bedienungsanleitungen etc. Ist die Zahl größer als 100?

4. Sie können die Zeit, die Ihre Kollegen in den Landesniederlassungen mit der Steuerung solcher Prozesse wöchtentlich verbringen, nicht nennen?

5. Bei Ihnen sind unabhängig voneinander verschiedene Abteilungen für die Erstellung lokaler Materialien (wie Werbemittel, Webseiten, Bedienunganleitungen etc) zuständig

Wenn Sie eine dieser Fragen mit 'ja' beantwortet haben, dann sollten wir miteinander reden!

Bares Geld sparen durch optimierte Prozesse im internationalen Marketing

4. Oktober 2013

Marketing ist eine Wissenschaft – und die Erde ist eine Scheibe?

Mit einem Lächeln gegen den Marketing-Overkill

 

Ein ideales Buch für alle, die wieder einmal über die kleinen und großen Verrücktheiten in der Marketingbranche lachen möchten ….und für die, die ihre Effizienz im Marketing und das derzeitige Arbeiten hinterfragen wollen.

Mit geschätzt mindestens 60 Milliarden Euro jährlichen Budgets, davon alleine 26 Milliarden reine klassische Werbung laut Nielsen – ist das Marketing einer der größten Ausgabenposten in deutschen Unternehmen. Kein Wunder, dass die verwendeten Methoden allesamt die Sinnhaftigkeit solcher Ausgaben zu belegen suchen. Wie verlässlich die Methodik im Marketing aber ist – und auf welch töneren Füssen auch weitverbreitete  Methoden manchmal gebaut sind -, wird selten nur hinterfragt.

Mit einem deutlichen Schmunzeln in einem und einer Träne im anderen Auge zieht das neu erschienene Buch "Marketing ist eine Wissenschaft - und die Erde ist eine Scheibe?" seine Kreise - einmal durch alle Fachgebiete des Marketing: von Datenkritik über den (Irr-) Glauben an Kreativität als verkaufsfördernde Maßnahme, von pseudowissenschaftlicher Methodik im Neuromarketing bis hin zur Frage, woher Experten eigentlich ihr Fachwissen haben.  

Eine Leseprobe finden Sie hier.

Und einen Blick ins Inhaltsverzeichnis gibt es hier.

Autor: Heino Hilbig,

erschienen im Verlag  SpringerGabler

ISBN: 978-3658028909

 ..und hier der Link zum Buch:

Marketing ist eine Wissenschaft – und die Erde ist eine Scheibe?

3. Oktober 2013

Seit Januar: Google verdrängt Ihre Seite nach hinten. Was tun?

Wie man auch als zentrale Marke in die regionalen Ergebnisse gelangen kann.

Kaum bekannt ist derzeit noch, dass Google seit einigen Monaten ein neues Ranking für die Anzeige der Ergebnisse anwendet: Inzwischen werden nach den Anzeigen – wenn verfügbar -  lokale Ergebnisse vor allen anderen Suchergebnissen gezeigt. Damit folgt Google den eigenen Erkenntnissen, wonach selbst auf dem PC 20 % aller Suchen sich auf Ergebnisse im nahen Umfeld beziehen – und auf mobilen geräten steigt diese Quote auf bis zu 40%.

Konsequent werden deshalb (nach einer Studie von Sitrix (http://www.sistrix.de/) ) schon 7% aller Ergebnisse in Deutschland auf den ersten Plätzen an lokale Ergebnisse vergeben.

Die Plätze 1 bis 5 der Suchergebnisse bei Google belegen in der Regel bezahlte Anzeigen und lokale Ergebnisse

 Dies bedeutet, dass andere Seiten deutlich nach unten verschoben werden. Eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass schon die fünfte Position der Suchergebnisse nur noch von 5% der Nutzer angeklickt wird – und die Klickrate ab der zweiten Ergebnisseite unter 1% liegt.

Oder anders gesagt:

Sie verlieren ab Position 6 schon 95 von 100 möglichen Kunden – und ab der zweiten Ergebnissseite schon 99 der möglichen 100 Interessenten.

Google selbst empfiehlt Unternehmen, jeder Niederlassung eine eigene Seite (page) einzurichten, um so von Google wenigstens in Maps gefunden zu werden: Matt Cutts (Leiter des Webspam-teams bei Google) beschreibt diese Strategie in seinem Blog. Hat man keinen Standort vor Ort, gibt es laut Matt Cutts keine Chance, in die oberen Ränge der regionalen Ergebnisse zu gelangen.

 Was aber tun, wenn man als Marke nur einen Standort hat? Vertriebspartner einbinden!

Lokales Marketing im Web ist eigentlich außerordentlich komplex, wenn man als Marke nur einen Standort hat. Und die Einbindung von links zu den Vertriebspartnern reicht heute nicht mehr, um auf den oberen Plätzen zu landen. Dennoch kann man als Markenverantwortlicher etwas tun:

Über ein ausgeklügeltes System lassen sich Kampagnenseiten heute tatsächlich als lokale Seiten generieren – mit den Standorten Ihrer Vertriebspartner als Referenz für Google Maps. Damit schafft es Ihre Online-Kampagne auf die organisch-gerierten8kostenlosen) Plätze lokaler Suche - zudem wird Ihre Online-Kampagne als lokale Kampagne ebenfalls bevorzugt auf den Werbeplätzen gezeigt.

Und das Beste:

Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, Ihre Vertriebspartner über Incentive-Systeme zu einer aktiven Verkaufsunterstützung zu motivieren.

Seit Januar: Google verdrängt Ihre Seite nach hinten. Was tun?

2. Oktober 2013

in Imaging

Mit  acht Posts zum Erfolg - Fotoindustrie weit hinten – Mode vorn

Wirksamkeit von Markenaktivitäten auf facebook

 

Was sind die Faktoren für erfolgreiche Aktivitäten bei Facebook? Was generiert Likes, Talk-abouts und User-Kommentare? Diesen Fragen auf die Spur zu kommen, dafür ist das Tool Socialysis gemacht, welches Mayflower Concepts und die beteiligten Partnerunternehmen entwickelt haben und derzeit erproben. Mit Socialysis werden die von facebook ermittelbaren Reaktionen der Nutzer den Aktivitäten der Seitenbetreiber messbar gegenüber gestellt.

Für einen Marketingvortrag im Rahmen des internationalen Markenkongresses Business Forum Imaging haben wir erste, sehr erstaunliche Ergebnisse zusammengestellt.  Herzu wurden 280 facebook-Seiten aus unterschiedlichsten Branchen zusammengestellt und miteinander verglichen.

Interessiert hat uns, ob es aus den ermittelbaren Daten Zusammenhänge erkennbar wurden, aus denen man Regeln für einen Ressourcen-sparenden, effizienten Umgang mit dem Medium Facebook entwickeln kann.

Gibt es messbare Regeln für Erfolg bei facebook?

Tatsächlich deuten die ersten Erkenntnisse darauf hin, dass man solche Regeln finden kann.

So zeigt sich etwa, dass die meisten Unternehmen mit unter 10 eigenen Posts pro Woche ihre Fans aktivieren können. Deutlich darüber lagen im beobachteten Zeitraum nur die Transportunternehmen (Flug- und Bahnlinien etc) mit 40 Posts pro Woche sowie die auf jugendliche Zielgruppe spezialisierten Bekleidungsunternehmen (34 Posts pro Woche).

 

Beide Branchen bezahlen diese Flut von Posts aber mit einem (relativen) Nachlassen des Verbraucherinteresses. Sowohl in den Reaktionen auf  diese Vielzahl Posts (Post-Likes) als auch in den relativen Zuwachsraten liegen beide Branchen eher im unteren Drittel der beobachteten Branchen.

Fotowirtschaft scheidet unterdurchschnittlich ab

Besonders interessiert hatte uns für den Beitrag zum Business Forum Imaging aber die Frage, ob die Fotowirtschaft  von der besonderen Bedeutung der Fotos in den sozialen Netzwerken profitiert . Tatsächlich aber stellte sich heraus, dass Menschen auf Facebook wesentlich mehr an Bildern an sich interessiert sind als an den Informationen, die Fotomarken, Dienstleister und Handel dort veröffentlichen.

 

Facebook: Mit acht Posts zum Erfolg - Fotoindustrie weit hinten – Mode vorn

in Imaging

1. Oktober 2013

Marketing in der Absatzfalle

Kolumne von Mayflower Concepts für das Marketing-Portal des Verlages SpringerGabler

 

Hemmt die Zahlengläubigkeit im Marketing die Kreativität und die Leidenschaft für das Produkt? Springer-Autor Heino Hilbig nimmt in seiner Kolumne den Exeltabellen- und Powerpoint- Wahn in der Marketingbranche aufs Korn und plädiert für ein bodenständiges erfolgreiches Marketing.

 Vermutlich hat nichts den Einsatz von komplexen Excel -Tabellen und sich lustig bewegenden Powerpoint-Charts im Marketing so beschleunigt wie der Ergebnisdruck, dem insbesondere börsennotierte Unternehmen quartalsmäßig ausgesetzt sind. Da ist es selbstverständlich, dass die Wirksamkeit der Marketingmaßnahmen – häufig zweitgrößter Budgetposten im Unternehmen – von CEOs und Controllern mit schöner Regelmäßigkeit geprüft und hinterfragt wird. Und ebenso regelmäßig antworten Marketingverantwortliche dann mit eben den Waffen der Controller: Powerpoint und Excel.
 
Zukunftsprognosen mit Expost-Daten
 
Die Daten hierfür basieren gerne mal auf Vorlagen der Agenturen, die ihrerseits häufig Informationen der Medien verarbeiten. Diese beschreiben ausführlich und in aller Regel blumig, was irgendwer über das Medien- oder Kaufverhalten der Verbraucher ermittelt hat. Tatsächlich haben alle diese Daten einen Makel: egal ob TV-Reichweiten, Sinus-Milieus oder Facebook-Likes und egal wie fantasievoll die für das Marketing erdachten Studien benannt werden: Sie alle sind Daten über die Vergangenheit.
 
Dabei ist es so offensichtlich, dass gerade im Marketing Daten, die in der Vergangenheit entstanden sind, keinerlei verlässliche Prognosen für die Zukunft – also letztlich den gewünschten Kauf – erlauben. Bundestagswahlen, unerwartete Shitstorms im Netz oder auch die eine oder andere Finanzkrise beweisen diese These. Der Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach vergleicht diese Situation mit einem Menschen, der niemals Ebbe und Flut gesehen hat und nach fünf Stunden Beobachtung des Wasseranstiegs im Wattenmeer beginnt, alle umliegenden Dörfer lauthals vor der kommenden Sintflut zu warnen.
 
Besser schlechte Daten als gar keine?
 
Auch wenn wir damit nicht allein sind – schließlich hat auch kein Controller anhand seiner Excel-Daten seinerzeit die Finanzkrise 2008 vorhersagen können – so bleibt das Ergebnis unbefriedigend. Beispielsweise werden Daten, die es gefühlt schon immer gab – wie z. B. die Media-Analyse – trotz offensichtlicher Unstimmigkeiten und Schwächen selten hinterfragt....
 

Kolumne bei Springer Gabler: Marketing in der Absatzfalle

12. September 2013

Einmal so sein wie Apple…..

Die Kalifornier kopieren sich selbst  - und scheitern daran.

Kaum eine Sehnsucht ist in Technologie-getriebenen Unternehmen unter Vertriebs- und Markenverantwortlichen größer, scheint es, als das eigene Unternehmen einmal in der Position des kalifornischen Apfels zu sehen: Produkte, die so konsequent eine Formenphilosophie atmen, Kommunikation, die immer irgendwie anders ist und einen CEO, der auf der Bühne der beste PR-Vertreter für die Leidenschaft des Unternehmens ist. Kein Zweifel – Apple und Steve Jobs haben dem Marketing gezeigt, zu was es fähig ist: Nicht mehr und nicht weniger, als einen fast bankrotten Konzern innerhalb einer Dekade zum teuersten Unternehmen der Welt zu machen. Zumindest kurzzeitig.

 Allerdings liegt in dem Wunsch ein unauflösbarer Widerspruch. Apple hat diesen Weg zum Erfolg dadurch erfolgreich beschritten, dass es anders war und anders gehandelt hat. In Zeiten, in denen fast die ganze Elektronikbranche mit allen Mitteln versucht hat,  ihre Produkte immer günstiger produzieren und anbieten zu können, haben Jobs und sein Team alle i-Produkte immer aufwändiger gestaltet.  Schon ein Blick in eine iPhone-Verpackung genügt als Beweis dieser Aussage.

Erfolg durch Kopieren ist ein Widerspruch in sich

So agieren wollen wie Apple heißt also zwangsläufig, niemanden zu kopieren. Eine Erkenntnis, die im Marketing eigentlich nicht überraschen sollte – schließlich kann man niemandem Marktanteile abjagen, wenn man alles genauso macht wie der Konkurrent.

Umso überraschender ist es, dass es ausgerechnet Apple selbst ist, das offensichtlich versucht, sich selbst zu kopieren. Anders lässt sich der aktuelle Auftritt bei der Vorstellung der „neuen“ iPhones kaum deuten. Da wurden in der zweiten Generation der nach-Jobs-Produkte zwei Smartphones präsentiert, deren wesentlichste Unterschiede zur Vorgängergeneration  Preis, Farben und der Fingerabdruck auf der Apple-Taste sind.

Und als Krönung wurden Bilder von der Konferenz veröffentlicht, in denen Steve Jobs als optischer Schatten seiner Nachfolger durchscheint: Aber es ist eben nicht dasselbe, wenn der Erfinder der Neuheiten-Show  vor der leeren Bühne die Produkte übergroß präsentiert - oder einer seiner vielen Nachfolger.

Wenn Apple sich schon nicht kopieren kann, ist das auch keine erfolgsversprechende Option für andere

Verbraucher haben ein sehr feines Gespür dafür, ob eine Marke  Original oder Kopie ist. Und wenn Apple selbst sich nicht einmal kopieren kann, dann sollten andere es gar nicht erst versuchen.

Der beste Weg zu erfolgreichem Marketing beginnt bei der Suche nach der eigenen Identität.

 

Apple kopiert sich selbst... und scheitert

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